Wien - Die unter Geldnot leidende ÖBB ist offenbar drauf und dran, den ihr gehörenden Hauptsitz in der Wiener Elisabethstraße sowie weitere ihr gehörende Immobilien in bester Innenstadtlage zu Geld zu machen.

Ein dem Standard vorliegendes Papier eines deutschen Projektentwicklers geht von knapp 90 Mio. Euro aus, die für sechs Objekte mit einer Gesamtnutzfläche von fast 61.000 Quadratmetern im Paket erlöst werden könnten.

Da die Eisenbahner derzeit noch über keine Ersatzquartiere für die Unternehmenszentrale verfügen - ein solches könnte der noch nicht einmal im konkreten Planungsstadium befindliche Zentralbahnhof sein, würde man die Liegenschaften nach Art einer Sale-and- Lease-back-Transaktion zurückmieten. Die Durchschnittsmiete wird mit rund 8,14 Prozent - bezogen auf den Kaufpreis - angegeben.

ÖBB: "Derzeit keine konkreten Pläne"

Bei der ÖBB wollte man am Montag von einem derartigen Deal nichts wissen. Es gebe derzeit weder konkrete Pläne noch einen Vorstands- oder Aufsichtsratsbeschluss über die Immobilienverwertung, schon gar nicht über den Zentralbahnhof, versicherte ein ÖBB-Sprecher dem Standard.

Die Verwertung von Immobilien ist allerdings ein Bestandteil des unter dem Namen "Power 2005" laufen-

den Ertragssteigerungsprogramms, das der Bahnvorstand unter Generaldirektor Rüdiger vorm Walde vor mehr als einem Jahr angekündigt hat. Zusammen mit Maßnahmen zur Senkung der Betriebskosten, durch Standortkonzentrationen und eben den Verkauf nicht betriebsnotwendiger Immobilien wolle man ab 2005 nachhaltig 290 Mio. Euro einsparen.

Jetzt bestreitet man bei der Bahn sogar, dass man an der Verwertung von Immobilien arbeite. Zunächst werde das Unternehmen entsprechend der Bahnreform umstrukturiert.

Probleme bei der Übersiedelung

Bei dieser Konzentration läuft allerdings auch nicht alles glatt, denn die Übersiedlung der Personalabteilung von der Nordbahnstraße (das Gebäude soll renoviert werden, Anm.) in die leer stehenden Postbusgebäude auf der Erdberger Lände wurde vom Arbeitsinspektorat abgedreht.

Exministerin Monika Forstinger hat im Auftrag des ÖBB- Vorstands im Vorjahr die Verwertungsmöglichkeit von 40 Bahngrundstücken geprüft und dafür einmalig 18.000 Euro erhalten. "Ich habe, wie vereinbart, mein Papier Ende November 2003 abgeliefert. Seitdem bin ich nicht mehr eingebunden", sagte Forstinger.

20,12 Millionen Euro für Hauptsitz

Für den ÖBB-Hauptsitz in der Elisabethstraße 9 (Nutzfläche: 20.400 m) wird in dem deutschen Papier beispielsweise ein Kaufpreis von 20,12 Mio. Euro genannt. Bei Mieteinnahmen von 2,45 Mio. Euro pro Jahr würde sich für einen Käufer eine Jahresrendite von 12,18 Prozent ergeben. (DER STANDARD Printausgabe, 04.05.2004, Luise Ungerboeck, Günther Strobl)