Oft kommt, wenn in Diskussionen von der EU als "Friedensprojekt" die Rede ist, im Publikum Unmut auf. Besonders von Jüngeren ist der Einwurf zu hören: "Wieso? Frieden haben wir in Europa sowieso."

Umso glaubwürdiger ist es, wenn die Basis dafür, dass unter den großen Staaten Europas seit bald 60 Jahren Frieden herrscht, von jemandem dargestellt wird, der selbst an ihrer Entstehung mitgewirkt hat. Botschafter Otto M. Maschke, Jahrgang 1931 und von 1956 bis 1996 in Österreichs diplomatischem Dienst, hat darüber, gemeinsam mit drei weiteren Berufs-und Generationskollegen, dieses Buch geschrieben.

Ausgehend vom Marshallplan, der als Verteilungsorganisation die OECD hervorbrachte, über den Europarat als Hüter der Menschenrechte bis zu den Vorläufern der EU - Maschke zeigt, dass das Gebot "Nie wieder Krieg" stets die Maxime des europäischen Einigungsprozesses war. Auch die von Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg initiierte Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), der Beginn der EG, hatte das Ziel, einen neuerlichen Rüstungswettlauf mit Deutschland zu unterbinden. Die herrschende Not, die Maschke als 14-jähriger Flüchtling in Deutschland erlebte, machte die Priorität der wirtschaftlichen Zusammenarbeit erklärbar.

Weitere Beiträge betreffen den Europarat (Ulrich Hack) und die gemeinsame Außen-und Sicherheitspolitik der EU (Walter Siegl). Besonders anschaulich ist der Beitrag über die KSZE (von Franz Ceska); er zeigt, dass das Ende des Ostblocks kaum gekommen wäre, hätte die Entspannungsdiplomatie des "Helsinki-Prozesses" den Menschen in Osteuropa nicht die Chance geboten, ihre Forderung nach Freiheit gewaltfrei zu erheben. (Erhard Stackl, DER STANDARD, Printausgabe, 4.5.2004)