Washington - Weltbank-Chef James Wolfensohn hat den reichen Staaten der Welt vorgeworfen, ihre Schlagzeilen trächtigen Hilfszusagen an arme Länder nicht einzulösen. Kein Staat aus der Gruppe der acht führenden Industrienationen (G-8) - die USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und Russland - gebe die versprochenen 0,7 Prozent seines nationalen Einkommens für Entwicklungshilfe aus, sagte Wolfensohn am Montag (Ortszeit) während einer Konferenz zur wirtschaftlichen Entwicklung in Washington.

Die Regierungen zahlten 900 Milliarden Dollar (753 Mrd. Euro) für ihre Verteidigung, aber nur 60 Milliarden Dollar (50,2 Mrd. Euro) Entwicklungshilfe. Und selbst diese Summe werde nur zu einem Bruchteil in Bar gegeben. Die Weltbank organisiert den Kampf gegen die Armut auf der Welt.

Schattenspiele und Sherpas beim G-8-Gipfel

"Die reichen Staaten ziehen jedes Jahr bei ihrem G-8-Treffen eine Art von Schattenspiel durch, wenn ihre Sherpas ankommen und versuchen herauszufinden, was prominent ins Licht gestellt werden kann und eine Schlagzeile bekommt, ohne viel Geld zu kosten", sagte Wolfensohn.

"Wenn man dann aber tiefer gräbt und für grundlegende Veränderungen eintritt ... nun, dann war (die Welthandelsrunde von) Doha im Hinblick auf die Landwirtschaft oder Handelserleichterungen kein großer Erfolg und die Hilfen sind es auch kaum." Sherpas sind die hochrangigen Beamten der Regierungen, die die Gipfeltreffen und deren Themensetzung vorbereiten.

Entwicklung und Armut seien ebenso dringliche Themen wie die Konflikte im Irak, in Afghanistan und im Nahen Osten, sagte Wolfensohn weiter. Sein Eindruck sei aber, dass dieses Gleichgewicht nicht gesehen werde "und mein weiterer Eindruck ist, dass wir derzeit nicht die politischen Führungen haben, die uns im Umgang mit diesen Fragen ausreichend weiterbringen können."

Laut einer vor kurzem veröffentlichten Statistik der Weltbank ist der Anteil armer Menschen auf der Welt in den vergangenen 20 um fast die Hälfte auf 21 Prozent zurückgegangen. Es gebe jedoch nach wie vor große Ungleichheiten. So nahm der Anteil der Armen in Gebieten wie dem südlichen Afrika auf 46 von 41 Prozent zu. Als arm gilt, wer weniger als ein Dollar pro Tag zur Verfügung hat. (APA/Reuters)