Wien - Die FPÖ geht mit dem EU-Abgeordneten Hans Kronberger als Spitzenkandidat in die Europawahl. Darauf hat sich Montag Abend der Parteivorstand festgelegt. Den zweiten Listenplatz nimmt der frühere Kärntner SPÖ-Landesparteisekretär Franz Großmann ein. Nummer 3 ist der frühere Partei-Ideologe und Publizist Andreas Mölzer. Auf den eher chancenlosen weiteren Plätzen folgen die Wiener Landtagsabgeordnete Heike Trammer sowie der frühere Dritte Nationalratspräsident Willi Brauneder.

Zwei Sitze angestrebt

Der frisch gebackene Spitzenkandidat der Freiheitlichen, Hans Kronberger, hofft, dass seine Partei bei der EU-Wahl gegenüber den letzten Nationalratswahlen zulegt. Das wären mehr als zehn Prozent und entspräche etwa zwei Sitzen: "Von zwei gehe ich aus. Aber auch ein drittes ist möglich", meinte er bei einer Pressekonferenz Montag Abend nach dem FPÖ-Vorstand. Der FPÖ wird der bisher parteilose Ex-Journalist beitreten: "Ja, warum nicht." Ob sich die Freiheitlichen künftig im EU-Parlament einer Fraktion anschließen werden, ließ Kronberger offen.

Die Parteispitze zeigte sich mit der Nominierung Kronbergers durchaus zufrieden. Die Wahl sei der Partei "relativ leicht gefallen", meinte die geschäftsführende Obfrau Ursula Haubner. Der beste Mann der FPÖ in der EU werde an die Spitze gestellt. Parteichef Herbert Haupt meinte, Kronberger mit seiner Erfahrung gerade im Umweltbereich sei der richtige Mann für die FPÖ. Und Vizekanzler Hubert Gorbach freute sich über einen Helfer im Kampf um den Schutz des österreichischen Wassers.

Kronberger nahm seine Kür mit Strahlen zur Kenntnis: "Es ist für mich der faszinierendste Tag in meiner politischen Zeit." Er sei einfach begeistert. Die Arbeit im Europa-Parlament schilderte Kronberger als faszinierend und seine eigene Rolle mehr als positiv: "Ein Fraktionsloser, der im EU-Parlament etwas zu sagen hat." Seiner Selbsteinschätzung nach ist Kronberger einer der erfolgreichsten Österreicher im EU-Parlament.

Spesendiskussion

Die von Hans-Peter Martin losgetretene Spesendiskussion ist der freiheitliche Frontman durchaus bereit zu führen. Er selbst habe alle Rechnungen vorgelegt, diese seien auch jederzeit einsehbar: "Sie sind nicht sehr gut geordnet, aber sie sind zumindest da." Mit dieser Vorbildwirkung will die FPÖ auch im Wahlkampf punkten, heißt doch das im Rahmen der Pressekonferenz präsentierte Sujet: "EU-Spesenskandal - offenlegen statt zudecken". In Richtung Martin und seiner Rolle als Abgeordneter meinte Kronberger: "Wenn ein Lokführer nur die Spinde kontrolliert, wird er bei der Eisenbahn entlassen."

Wahlziel

Als Wahlziel gab Kronberger, der im übrigen auch Mediensprecher bleibt, aus, gestärkt gegenüber dem letzten Nationalratswahl-Ergebnis aus dem Urnengang hervorzugehen. Das zu erreichen, sei er relativ optimistisch. Ob man künftig einer Fraktion angehören wird, wollte der Spitzenkandidat nicht beurteilen. Fraktionslos zu sein bedeute keinen Nachteil. Durch die Erweiterungen ergäben sich aber neue Konstellation. Vielleicht sei hier eine dabei, "die attraktiv ist".

Raschhofer verzichtet

Nicht mehr auf der Liste scheint Daniela Raschhofer, bisherige Delegationsleiterin der Freiheitlichen, auf. Sie sei von der Landesgruppe Oberösterreich vorgeschlagen worden, habe aber auf eine Nominierung verzichtet, erklärte Haupt. Auch die drei übrigen bisherigen FP-Mandatare sind diesmal nicht mehr dabei. Zwei davon, Gerhard Hager und Peter Sichrovsky, sind ja mittlerweile aus der Fraktion ausgeschieden.

Sehr zufrieden mit der Entscheidung des Bundesparteivorstandes der FPÖ zur EU-Wahl zeigte sich Montagabend der Kärntner Landesparteichef Martin Strutz. Mit Franz Großmann und Andres Mölzer rangierten zwei Kärntner auf wählbaren Listenplätzen. "Wir haben uns mit unserer diesbezüglichen Forderung durchgesetzt", sagte Strutz gegenüber der APA.

Der Kärntner FPÖ-Obmann hatte vor wenigen Tagen gemeint, dass "die Organisation der FPÖ-Kärnten weit über das Bundesland hinaus strahlt". Aus diesem Grund sowie wegen der großen Erfolge der Landespartei stünden dem südlichsten Bundesland zwei freiheitliche EU-Abgeordnete in Brüssel zu. Strutz rechnet damit, dass die FPÖ bei der Wahl am 13. Juni vier Mandate gewinnt. Derzeit verfügt sie über fünf EU-Abgeordnetensitze.

Die FPÖ-Liste - Plätze 1 bis 10

1 Hans Kronberger (EU-Abgeordneter)

2 Franz Großmann (früherer SP-Landesparteisekretär in Kärnten)

3 Andreas Mölzer (Publizist)

4 Heike Trammer (Wiener Landtags-Abgeordnete)

5 Willi Brauneder (Früherer dritter Nationalratspräsident)

6 Christoph Hagen (Vorarlberger Bundesrat)

7 Elisabeth Achatz (frühere Nationalratsabgeordnete)

8 Johann Tschürtz (burgenländischer Landtagsabgeordneter)

9 Norman Schadler (Tirol)

10 Markus Fauland (Salzburg)