Salzburg - Der europäische Fußball-Verband UEFA will bis November des kommenden Jahres entscheiden, ob internationale Spiele auf Kunstrasen zugelassen werden. "Wir machen uns diesen Schritt nicht leicht", erklärte der Schweizer Rene Eberle, zuständiger UEFA-Funktionär, auf einer Pressekonferenz am Dienstag im Stadion Wals-Siezenheim, wo auf Kunstrasen gespielt wird. Als Entscheidungshilfen dienen Gespräche mit Spielern auch von Auswärtsmannschaften sowie diverse Studien.

"Geringeres Verletzungsrisiko"

Auch die Mannschaftsärzte der fünf Klubs, die am UEFA-Kunstrasen-Probebetrieb teilnehmen (neben Salzburg noch Denizlispor/TUR, Torpedo Moskau, Örebro/SWE und Heracles Almelo/NED), werden zu diesem Thema befragt. Salzburg-Klubarzt Peter Lechenauer gab schon eine erste Stellungnahme ab und stellte dabei fest, dass ein geringeres Verletzungsrisiko vorhanden sei. "Allerdings besteht bei älteren Spielern sowie in der postoperativen Rehabilitation die Tendenz zur Schwell-Neigung und Überbelastbarkeit", gab der Mediziner zu bedenken.

Salzburgs Finanzvorstand Gernot Blaikner wies darauf hin, dass seinem Klub durch die Auswanderung in beiden UEFA-Cup-Heimspielen in dieser Saison nach Linz Einnahmen von 350.000 Euro entgangen seien. Zudem kann im neuen Stadion kein Länderspiel über die Bühne gehen. "Allerdings müssen wir für die Instandhaltung des Kunstrasens nur ein Viertel jener Summe bezahlen, die uns ein Naturrasen kosten würde", sah Blaikner auch finanzielle Vorteile. Bei der EURO 2008 wird in Wals-Siezenheim sicher auf Naturrasen gespielt, ob danach wieder Kunstrasen verlegt wird, ist laut Blaikner noch völlig offen.

Die Fußballer selbst haben jedenfalls ihre Präferenzen. "Ich kann mich mit dem Kunstrasen nicht anfreunden und würde lieber auf Naturrasen spielen. Ich glaube, das trifft auch auf die anderen Spieler zu", erklärte Salzburg-Kapitän Heiko Laessig und bekam Unterstützung von seinem Trainer Peter Assion. "Es ist schwieriger zu dribbeln oder zu flanken. Prinzipiell wird dadurch die angreifende Mannschaft benachteiligt, außerdem werden die Gelenke stark beansprucht."

Höheres Tempo

Dabei ist laut einer UEFA-Studie das Tempo des Spiels auf Kunstrasen höher als auf natürlichem Grün. Der europäische Fußball-Verband will in einer Untersuchung festgestellt haben, dass ein Spieler pro Match auf einer Kunststoffunterlage eineinhalb Kilometer mehr läuft als auf Naturrasen. (APA)