Washington - Die staatliche US-Hilfsorganisation USAID warnt in einem Bericht vor 400.000 Toten in der westsudanesischen Region Darfur (Darfour), wo sich über eine Million Sudanesen auf der Flucht vor arabischen Milizen (Janjaweed) befinden. Die Janjaweed hätten mit Unterstützung der Regierungstruppen Überfälle auf Dörfer schwarzafrikanischer Sudanesen verübt und diese vertrieben. In den nächsten neun Monaten würden 400.000 Tote, etwa 30 Prozent der 1,2 Millionen Flüchtlinge, befürchtet, sollte sich die Lage nicht massiv verbessern.

Als Ursache für die befürchtete humanitäre Katastrophe im Westsudan macht USAID in dem im April veröffentlichten Bericht die Zerstörung von Nahrungsmittelvorräten der Bevölkerung durch die arabischen Milizen und die mit ihnen verbündeten Regierungstruppen aus. Durch Flucht und Vertreibung wurden die Sudanesen an der Aussaat gehindert, sodass nach der Regenzeit eine Ernte fehlen werde. Weiters kritisiert USAID die weitgehende Blockierung des Zugangs zu den Gebieten der Flüchtlinge durch die sudanesischen Behörden.

Power warnt vor Völkermord in Westsudan-Region Darfur

Pulitzerpreisträgerin Samantha Power warnt vor einem drohenden Völkermord an hunderttausenden Flüchtlingen in der westsudanesischen Region Darfur. Die von arabischen Milizen mit Unterstützung der sudanesischen Armee vertriebenen schwarzafrikanischen Sudanesen seien über ein riesiges Gebiet an der Grenze zum Tschad verstreut, Hunderttausenden drohe der Hungertod. Die internationale Staatengemeinschaft, die UNO, die USA, andere Demokratien sowie nichtstaatliche Organisationen und die Medien müssten versuchen, diesen Genozid noch zu stoppen, forderte Power Dienstag abend bei einem Vortrag im US-Holocaust-Museum in Washington DC.

"Seit Ruanda ist die Aufmerksamkeit für Völkermord stark gewachsen", erinnerte sie an den Genozid in dem afrikanischen Land vor einem Jahrzehnt. Damals waren etwa 800.000 bis zu einer Million Menschen den Massakern von radikalen Hutu an Tutsi und gemäßigten Hutu zum Opfer gefallen. Die UNO hatte ihre Friedenstruppen abgezogen, keine Supermacht hatte militärisch interveniert. Samantha Power sprach sich für die Entsendung von 10.000 Friedenstruppen in den Westsudan aus, um einen neuen Genozid zu verhindern.

Die USA sollten diesmal all ihre Möglichkeiten ausschöpfen um Druck auf die sudanesische Regierung zur Verhinderung des Völkermords auszuüben, appellierte Power. Die US-Regierung sollte sich nicht nur auf den Süden des Landes konzentrieren, wo die christliche Minderheit in Bedrängnis sei. Für ein gemeinsames Vorgehen mit anderen Staaten gegenüber dem Sudan müssten die USA jedoch zuerst das in den vergangenen Monaten verloren gegangene Vertrauen bei den Partnern wieder aufbauen. Scharf kritisierte Power auch die neuerliche Wahl des Sudan in die UNO-Menschenrechtskommission als falsches Signal.

Die Vereinten Nationen haben die Schaffung eines Sondergesandten zur Genozid-Prävention angekündigt, den Posten sollte nun ein "politisches Schwergewicht" wie etwa Ex-US-Präsident Bill Clinton und kein Machtloser einnehmen, regte Power an. Der UNO-Sicherheitsrat sollte sich mit der Lage im Westsudan befassen, auch der Internationale Strafgerichtshof solle aktiv werden. Auch andere Demokratien wie Kanada, Südafrika, Schweden oder weitere Staaten mit starker Menschenrechtstradition sollten auf den Sudan Druck ausüben. Schließlich könnten Nichtstaatliche Organisationen und die Zivilgesellschaft viel "Lärm machen", um ihre bisher untätigen Regierungen zum Handeln zu bewegen.

Samantha Power war für ihr Buch "A Problem from Hell - America and the Age of Genocide" mit dem Pulitzer-Preis für das beste Sachbuch ausgezeichnet worden. In dem Werk setzt sich die ehemalige Balkan-Korrespondentin mit der Verhinderung von Völkermord und der historischen Rolle der USA auseinander. Heute lehrt die 34-Jährige über Menschenrechte und Außenpolitik an der John F. Kennedy School of Government an der Universität Harvard. (APA)