Klagenfurt – Vordergründig herrscht bei Blau-Rot in Kärnten eitel Wonne und Sonnenschein. Jörg Haider kann unbestreitbar politischen Nutzen aus der Kärntner "Chianti"- Koalition ziehen. Die Kärntner SPÖ dagegen hat Mühe, von Haider nicht medial und politisch an die Wand gedrückt zu werden. Auf der SP-Klubklausur beim "Moselebauer" im Lavanttal rang man daher darum, ein neues Profil als "Kontrollinstanz" zu finden.

Während vor allem auf kommunaler Ebene große Zustimmung zur Koalition herrscht, sitzt der Frust bei den mittleren Funktionären nach wie vor tief. "Diese Koalition erschwert eine klare Positionierung", meint etwa der Landtagsabgeordnete Peter Kaiser: "Da müssen wir eine Geburtenprämie mittragen, die für Frauen den Drang zurück an den Herd erhöht, oder die Nominierung des Rechtsideologen Andreas Mölzer für die EU-Wahl. Dazu können wir doch nicht schweigen", so Kaiser.

"Die Stimmung ist nicht unbedingt gut", analysiert auch der Landtagsabgeordnete Gebhard Arbeiter, als Zentralbetriebsrat der Landesspitäler ein gewerkschaftliches Urgestein. Zumal Haider jüngst seinem Koalitionspartner und Spitalsreferenten Peter Ambrozy mit neuen Finanzierungsideen für das Klagenfur 3. Spalte ter LKH neu in die Parade gefahren ist.

Der Nationalratsabgeordneten Melitta Trunk wiederum stoßen vor allem Haiders Wahlempfehlung für Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner oder die Nominierung des früheren SPÖ- Geschäftsführers Franz Grossmann als EU-Kandidat für die FPÖ sauer auf: "Das ist doch ein klarer Affront gegen die SPÖ und ihren Parteivorsitzenden." Auch Klagenfurts Parteichef Ewald Wiedenbauer oder Frauenchefin Sieglinde Trannacher zeigen sich nach wie vor "hochgradig skeptisch: Das kann jederzeit hochgehen oder ein Jahr dauern, aber sicher nicht die ganze Legislaturperiode." Wie tief der Riss in der Kärntner SPÖ geht, zeige auch das Faktum, dass das Regierungsübereinkommen mit der FPÖ am 30. März zwar im SPÖ-Präsidium, nicht aber im Parteivorstand beschlossen werden konnte – mangels ausreichender Präsenz der Vorstandsmitglieder.

Und so wird von parteiinternen Umfragen gemunkelt, die die SPÖ in der Wählergunst dramatisch abstürzen sehen. Parteichef Peter Ambrozy dagegen ortet keine Probleme. Die SPÖ dürfe nicht in "Igelstellung gehen": "Man soll sich nicht vor der Herausforderung mit Haider fürchten. Mut ist angesagt, nicht Feigheit." (stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.5.2004)