Wien - Fernseh- und Radiomoderatorin Karin Resetarits ist nicht das erste vom TV-Bildschirm bekannte Gesicht, das in die Politik wechseln möchte. Schon seit den 70er-Jahren versuchen die Parteien, die Popularität von Quereinsteigern aus dem Medienbereich - vor allem aus dem ORF - für sich zu nützen - mit wechselndem Erfolg.

Helmut Zilk

Den Anfang machte 1979 Fernsehdirektor Helmut Zilk, der seine Sendung "Stadtgespräche" gegen die Stadtpolitik eintauschte und für die SPÖ Wiener Kulturstadtrat wurde. Nach dem Posten des Unterrichtsministers fand Zilk seinen politischen Traumjob und war bis 1994 zehn Jahre lang Wiener Bürgermeister.

Franz Kreuzer

Während Zilks Wechsel vom Journalismus in die Politik langfristig und erfolgreich war, hatte ein anderer ORF- Journalist in der SPÖ weniger Glück: Der Fernsehmann Franz Kreuzer wurde 1985 von Fred Sinowatz als Umweltminister berufen. Er scheiterte am Management der Tschernobyl-Krise - und wechselte 1986 wieder in den Journalismus zurück.

Hans Peter Martin

Wenig Glück hatte die SPÖ auch mit Hans Peter Martin, der 1999 vom damaligen SPÖ-Chef Viktor Klima zum Spitzenkandidaten für die EU-Wahl gemacht wurde. Der frühere "Spiegel"-Journalist überwarf sich bald mit seiner Fraktion und tritt heuer mit einer eigenen Liste an und konnte dafür auch Karin Resetarist gewinnen.

Josef Broukal

Bei der letzten Nationalratswahl 2002 kandidierte schließlich der "Zeit im Bild"-Präsentator Josef Broukal für die SPÖ. Aus dem Traum, Wissenschaftsminister zu werden, wurde nichts. Nach einer Durststrecke als Hinterbänkler im Nationalrat wird er jetzt in die Funktion des stellvertretenden Klubobmanns aufsteigen.

Von Hans Pretterebner bis Theresia Zierler

Auch in der FPÖ waren Quereinsteiger aus dem Medienbereich immer willkommen: Der "parteifreie" Journalist und "Lucona"-Aufdecker Hans Pretterebner hatte nach einem Jahr Parlament genug und schied 1995 aus der Politik. Bei der EU-Wahl 1996 kandidierte der ORF-Journalist Hans Kronberger erstmals für die FPÖ. Heuer ist er Spitzenkandidat. Wie Kronberger aus der "Argumente"-Redaktion des ORF kam Hans-Jörg Schimanek. 1993 wechselte er für die FPÖ vom ORF auf einen Landesrats-Sitz in Niederösterreich - derzeit ist er Bezirksrat in Wien-Floridsdorf. Bei den Nationalratswahlen 1999 kandidierten schließlich zwei ORF-Frauen für die Freiheitlichen: Die "Radio-Stimme" Jutta Wochesländer schaffte es ins Parlament, erhob ihre Stimme dort aber nur selten. "Willkommen-Österreich"-Moderatorin Theresia Zierler hingegen stieg bis zur steirischen Spitzenkandidatin und zur Generalsekretärin auf - und dann wieder zur einfachen Abgeordneten ab. Heute sitzt sie als Landtagsabgeordnete im steirischen Landtag.

Ursula Stenzel

Auf eine bisher stabil verlaufende politische Karriere kann die frühere "Zeit im Bild"-Moderatorin Ursula Stenzel verweisen. Sie zog 1996 für die ÖVP als Spitzenkandidatin in die Europa-Wahl - und ist bis heute ÖVP-Delegationsleiterin im Europäischen Parlament. Auch heuer ist sie wieder - bereits zum dritten Mal - Spitzenkandidatin der ÖVP bei der EU-Wahl. Einen kurzen Ausflug in die Politik machte in den 80er-Jahren für die ÖVP auch der damalige "profil"- und jetztige "News"-Journalist Alfred Worm. Er war einer der "bunten Vögel" von Erhard Busek im Wiener Gemeinderat.

Reinhard Jesionek

Die Grünen haben bisher auf Quereinsteiger aus dem Medienbereich verzichtet. Und das Liberale Forum war bei der letzten Nationalratswahl nicht erfolgreich: Der Versuch, mit Ex-"Willkommen-Österreich"-Moderator Reinhard Jesionek den Wiedereinzug ins Parlament zu schaffen, ist gescheitert. (APA)