Graz - Der Bedarf an Pflegefachkräften übersteigt österreichweit das Arbeitskräfte-Angebot enorm: In der Steiermark hat man ein Ausbildungsmodell erarbeitet, das diesem Mangel innerhalb kurzer Zeit abhelfen und rund 300 Arbeitslosen einen fixen Arbeitsplatz bieten soll. Nach einer 15-monatigen Schulung beenden im Sommer die ersten 161 neuen PflegehelferInnen ihre Ausbildung. Ein weiterer Kurs für 134 TeilnehmerInnen laufe demnächst an, so Soziallandesrat Kurt Flecker (S) am Donnerstag im Grazer Pressegespräch.

"Rekrutierung"

Das Grazer Modell richtet sich nach dem konkreten Bedarf und dem Kooperationswillen der Pflegeeinrichtungen: Diese melden ihre freien Stellen beim Arbeitsmarktservice an. In der Folge werden aus dem "Pool der steirischen Arbeitslosen" KandidatInnen rekrutiert, die nach ausführlicher Testung der Eignung eine 53-wöchige Ausbildung absolvieren, erklärte Karl Heinz Snobe, Landesgeschäftsführer des AMS Steiermark. Dabei müssen je 800 Stunden in der Theorie und in den Einrichtungen selbst abgeleistet werden.

Arbeitslose oder Grundsicherung während Ausbildung

Für die zukünftigen Arbeitgeber entstehen in dieser Zeit Unkosten von monatlich 218 Euro. Die KursteilnehmerInnen erhalten während der Ausbildung entweder das Arbeitslosengeld oder eine Mindestsicherung von 17,50 Euro täglich, sowie ein Stipendium von rund 36 Euro pro Monat. Das Ausbildungskonzept wird vom Berufsförderungsinstitut (bfi) Steiermark umgesetzt. Kurse werden in Graz, Kapfenberg, Deutschlandsberg, Judenburg und Mureck abgehalten.

Ergebnisse des ersten Durchgangs

"Der erste Durchgang seit Herbst 2003 verlief überaus erfolgreich", so Soziallandesrat Flecker. Die intensive Beratung und die Eignungstestung habe dazu geführt, dass von den ersten 162 KursteilnehmerInnen 161 noch dabei sind: "145 Frauen und 16 Männer, vorwiegend zwischen 30 und 40 Jahren alt, fanden eine Ausbildung und auch einen Arbeitsplatz", so Flecker. Das Land Steiermark hat dafür im Vorjahr 720.000 Euro investiert. Für die Ausbildung der weiteren 134 TeilnehmerInnen stehen 600.000 Euro zur Verfügung.

Widerspruch zu anspruchsvoller Berufsperspektive

Rund 10.000 Personen werden derzeit in der Steiermark stationär gepflegt, weitere 8.000 in ihrem eigenen Zuhause. Diese Zahlen werden laut Flecker auf Grund der immer höheren Lebenserwartung weiter steigen. Mit dem ersten Ausbildungsgang konnte der dringendste Bedarf gedeckt werden. Zur Zeit gibt es in der Steiermark aber nach wie vor 166 offene Stellen im Pflegebereich - 50 Stellen davon sind für DiplomkrankenpflegerInnen ausgeschrieben. Nun plant man eine Weiterführung des Ausbildungsmodells auch für diesen Bereich. Fraglich ist allerdings, wie sich dieses Vorhaben mit dem anspruchsvollen Beruf vereinbaren lassen könnte. (APA)