"In einer Zeit der Castingshows und des ständigen Strebens nach Einschaltquoten ist es vielleicht ganz gut, auch wieder mehr Inhalte hineinzubringen", sagt Rudi Dolezal und entschuldigt sich gleichzeitig bei seinen ORF-Partnern für die kritische Anmerkung. Die sechsteilige Dokumentarreihe "Get Up - Stand Up", die Dolezal gemeinsam mit seinem Partner Hannes Rossacher (DoRo) erarbeitet hat ("Unser Hauptwerk des vergangenen Jahres") geizt sicher nicht mit Inhalten.

"Intelligentes Musikfernsehen"

Die Serie über die Wechselwirkungen von Pop und Politik sei "intelligentes Musikfernsehen" urteilte der "Stern" anlässlich der Erstausstrahlung auf arte Ende des vergangenen Jahres. An den kommenden beiden Sonntagen (9. und 16.5., jeweils 23.05 Uhr, ORF 2) strahlt der ORF die Serie aus.

"Österreichische Komponente"

Mehr als ein Jahr Arbeit und über sechzig Originalinterviews mit internationalen Popgrößen liegen der Reihe zu Grunde. Künstler wie Patti Smith, Harry Belafonte oder Bono kommen ebenso zu Wort wie Wolfgang Ambros oder Georg Danzer (Dolezal: "Es gibt auch eine österreichische Komponente"). Nichts anderes als eine umfassende Aufarbeitung des politischen Anteils an der Nachkriegs-Popgeschichte haben DoRo sich zum Ziel gesetzt und eine Fülle an Material zusammengetragen. "Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so umfassende Darstellung darüber gesehen zu haben", meinte Franz Grabner, der Leiter des ORF-Kulturressorts Dokumentation, bei der heutigen Präsentation. Für den Pop-Bereich sei die Serie "so etwas wie 'Österreich II'" und Rudi Dolezal "der Hugo Portisch der Popgeschichte".

"We shall overcome"

Die Serie startet mit der Bürgerrechtsbewegung der fünfziger Jahre ("We shall overcome"), führt weiter über die Friedensbewegung ("Next Stop Vietnam") zu dem musikalischen Anteil an den Anti-AKW-Protesten und Regenwald-Schutz-Kampagnen ("Fight the Power"). Teil vier ("Say it loud") behandelt die politischen Inhalte der schwarzen Musik bis hin zum Gangsta Rap, es folgen in "We are the World" Rückblicke auf globale Mega-Events wie Live Aid. Abschließend geht es mit "What's going on?" in die Post-Nine-Eleven-Phase und zu den aktuellen Engagements von U2-Sänger Bono und Bob Geldof.

80-minütigen Zusammenschnitt

Die sechs Einstünder komplett zu bringen - dazu sah sich der ORF außer Stande. Also gibt es am 9. Mai einen rund 80-minütigen Zusammenschnitt der ersten drei Teile und eine Woche darauf die zweiten drei ungeschnitten, in einer "langen Nacht von 'Get Up- Stand Up'" (Grabner). "Eine schöne Zeitreise" für jene die dabei gewesen sind, ein "Blättern im Bilderbuch" für die Nachgeborenen versprach Rudi Dolezal und zog ein persönliches Fazit: "Ich glaube nicht, dass ein Song die Welt verändert. Aber ein Lied kann ein unheimlicher Verstärker sein, wenn Emotion und Intellekt zusammenkommen." (APA)