Helsinki/London - Anders als in den USA und Großbritannien zeichnet sich in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kein Ende des Status quo ab. Der EZB-Rat beließ am Donnerstag bei einer Sitzung in Helsinki den wichtigsten Zinssatz der Euro-Zone bei zwei Prozent, wie die Bank mitteilte. Zuletzt hatte die Notenbank das Zinsniveau im Juni 2003 um einen halben Prozentpunkt gesenkt.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte, die EZB halte sich "bei den Zinsen alle Optionen" offen, habe aber zur Zeit keine Präferenz in die eine oder andere Richtung. Die Bank von England reagierte unterdessen auf die anziehende Konjunktur und hob ihre Leitzinsen an.

Einschätzung der wirtschaftlichen Lage nicht verändert

Seit der letzten EZB-Sitzung Anfang April habe sich die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage durch die Bank nicht verändert, sagte Trichet. Die EZB habe in puncto Zinsen "absolut keine Neigung" nach oben oder nach unten. Damit setzte sich die EZB von der US-Notenbank Fed ab, die am Dienstag zwar ihre Zinsen auf einem mehr als 40-Jahres-Tief von einem Prozent hielt, aber angesichts der anziehenden Konjunktur eine Erhöhung des Zinsniveaus in Aussicht stellte.

In der Euro-Zone ist nach Schätzungen der EZB dagegen in diesem Jahr nur ein Wachstum der Wirtschaft um 1,5 Prozent zu erwarten nach lediglich 0,4 Prozent im vergangenen Jahr. Trichet sagte, jüngste Daten zeigten eine leichte Besserung der Konjunktur. Es gebe aber weiter gegenläufige Signale.

Risiko für Preisstabilität

Der Anstieg von Rohstoffpreisen im Allgemeinen und Ölpreisen im Besonderen sei ein Risiko für die Preisstabilität und könne in der jetzigen Lage zu einem Anstieg der Inflation in der Euro-Zone führen, sagte Trichet weiter. "Es wird deshalb wichtig bleiben, den Inflationserwartungen genaue Aufmerksamkeit zu schenken." Die Bank bleibe aber bei ihrer Einschätzung, dass die Preisentwicklung mittelfristig unter Kontrolle sei.

Bank of England hebt Zinsniveau auf 4,25 Prozent

Die Bank von England erhöhte ihren maßgeblichen Zinssatz um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent. Die Anhebung sei notwendig gewesen, um angesichts stark steigender Immobilienpreise die Inflation in Schach zu halten und dem weltweiten Wirtschaftsaufschwung Rechnung zu tragen, erklärte das Institut. Die Bank war im vergangenen November die erste unter den vier wichtigsten Notenbanken gewesen, die ihre Zinsen wieder angehoben hatte. Im Februar hatte es dann eine weitere Erhöhung gegeben.

Das britische Pfund legte nach der Entscheidung gegenüber dem US-Dollar zu. Der Euro gab dagegen nach. In London wurden für die Gemeinschaftswährung gegen 15.30 Uhr 1,2103 Dollar gezahlt. Die EZB, die am Mittwoch noch einen Referenzkurs von 1,2126 Dollar festgelegt hatte, setzte nach der Zinsentscheidung einen Wert von 1,2116 Dollar fest.(APA)