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Die Medien diskutieren über den Dokumentarfilmer Michael Moore: Ist er "PR-Stuntman" oder Zensuropfer?

Foto: REUTERS/Mike Segar
Man muss man kein Prophet sein, um voraussagen zu können, dass Michael Moores Fahrenheit 911 am Ende doch wie geplant am 2. Juli in Amerikas Kinos laufen wird. Dass sich nämlich kein Verleiher für Moores neuen, George W. Bush kritisierenden Dokumentarfilm finden wird, ist mehr als unwahrscheinlich.

Disney-Chef Michael Eisner deutete zuletzt an, er wolle die Ausstrahlung keineswegs generell verhindern. Disney-Tochterfirma Miramax, die über die Vertriebsrechte des Films verfügt, wolle nun versuchen, den Moore-Film über ein Partnerunternehmen zu vertreiben, das nicht unter Kontrolle des Mutterkonzerns stehe, berichtete das Branchenblatt Variety.

Ein Ende der Diskussion ist trotzdem nicht in Sicht. Am Tag nachdem Moore den Konzern beschuldigt hatte, die Freigabe des Films auf Druck von Jeb Bush, Gouverneur von Florida und Bruder des Präsidenten zu blockieren, diskutierten Medien die restriktive Maßnahme: "Eine Goldmedaille für Feigheit" überreichen will die "New York Times" dem Disney-Konzern. Es rieche "etwas streng nach Zensur", bemerkt die "Süddeutsche Zeitung".

Das "Timing könnte nicht besser sein", bemerkt hingegen "USA Today". Von einem "PR Stunt" spricht Disney-Chef Eisner im britischen Guardian. Unabhängig davon wird der Film kommende Woche beim Filmfestival in Cannes Premiere feiern.

In Fahrenheit 911 thematisiert Oscar-Preisträger Moore ("Bowling for Columbine") die Verbindungen Bushs mit mächtigen saudi-arabischen Familien, darunter der von Terroristenführer Osama Bin Laden. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 7.5.2004)