Innsbruck – Tirols Soziallandesrätin Christa Gangl (SP) möchte zwar "keine Übergangslösungen und Notquartiere", dennoch werden 100 Asylwerber in einer Container-Siedlung im Innsbrucker Gewerbegebiet Rossau unter gebracht. "Für mindestens ein Jahr" sollen 44 Container a 15 Quadratmetern benützt werden, sagte Gangl am Freitag vor den Medien. "Wir werden damit die Quote erfüllen, in der Übergangsfrist von drei Monaten". Die Zahl der Asylwerber betrage in Tirol "nur 0,2 Prozent der Bevölkerung, das muss zu schaffen sein".

Während Gangl meint, Container seien zumutbar, "sie stehen auf Baustellen und werden für Schulklassen benützt", ist Tirols Grünen-Abgeordnete Elisabeth Wiesmüller "entsetzt" über das "Flüchtlingslager". Reinhard Fronek von der Asylkoordination hält Container nur bei Ka tastrophen für zumutbar, "nicht nach Monaten Vorbereitunsgzeit". Tirols NGOs Arge Schubhaft und Helping Hands vermissen eine Diskussion über Standards. Arge-Obfrau Michaela Ralser: "Eine Debatte über Qualifizierung, sozialarbeiterische, medizinische und therapeutische Betreuung wäre höchst nötig".

Flüchtlingskoordinator Peter Logar hält den Mindest-Betreuungsschlüssel der Grundversorgung (1 : 170) für ausreichend. Österreichs NGOs haben 1 : 20 für die allgemeine, und 1 : 30 für psychosoziale Betreuung gefordert. "Einige Bundesländer wollen das übernehmen", sagt Fronek. In Tirol soll das Heim am Bürglkopf, dessen Abgeschiedenheit das UNHCR kritisierte, offen bleiben: "Wir brauchen es". Zu einem Konflikt in der SP-VP-Koalition kam es wegen der Unterkunft im landeseigenen Schloss Mentlberg: Die ÖVP war dagegen, nun können 70 Aslywerber in den vom Roten Kreuz kurzfristig adaptierten Räumen nur acht Wochen bleiben.

Die Zahl der Asylanträge ging bundesweit seit der Asylrechtsverschärfung am 1. Mai zurück. Laut Innenministerium wurden in der ersten Maiwoche 231 Anträge gestellt. In der letzte Aprilwoche gab es 1018 Anträge: "Viele haben sich kurz vor dem 1. Mai be eilt", meint Fronek. Es sei zu früh für eine Tendenz. Am 1. November-Wochenende gab es 57 Anträge, seit 1. Mai 25 bis 59 pro Tag. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.5.2004)