Gutmenschliches massenmedial zu platzieren ist eine Kunst. Erst recht dann, wenn sich der gute Mensch auf Arbeit statt Societypräsenz konzentriert. Denn wer sich weniger um Styling und Pointenschleudern, als um Menschen schert, ist quasi unverkäuflich.

Ein Beispiel? Als eine große österreichische Frauenzeitschrift einst eine Geschichte über die Flüchtlingshelferin Ute Bock (fraubock.at) bringen wollte, soll die einzige Frage der Chefredakteurin: "Schaut die eh gut aus?" gelautet haben. Angesichts der Bilder der engagierten Dame kam (so die Fama): "Stylt sie! Nur wenn sie glitzert!" Donnerstagabend erhielt Frau Bock dennoch vom Österreichischen Roten Kreuz den "Humanitätspreis".

Für Engagement, nicht für Styling. Wie man das - plus einer geharnischten Kritik an der Sozial-und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung durch ÖRK-Präsident Fredy Mayer - trotzdem in die Seitenblicke bringt? Das ÖRK verlieh den Preis auch Ö3 - fürs Spendenaufrufunterstützen. Der Effekt: "Seitenblicke" und noch ein ORF-Team filmten - und ganz kann man in so einer Story die alte Dame, ihre Arbeit und die ÖRK-Kritik auch nicht weglassen. Mit oder ohne Styling.

(DER STANDARD Printausgabe 8/9. 5. 2004)