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Das ursprüngliche "Erzherzog Rainer Spital" trägt seit der Übergabe an die Wiener Gebietskrankenkasse im Juni 1945 den Namen des SP-Sozialpolitikers Ferdinand Hanusch.

Foto: APA
Gesundheitsökonom Christian Köck hat Interesse am Hanusch-Spital, das der defizitären Wiener Kasse gehört. Als privater Betreiber würde er das Spital billiger führen. Der Spitalsträger müsste einen Teil des finanzielles Abgangs tragen.

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Wien – Christian Köck würde es "sofort und gern" nehmen. Nicht kaufen, denn "die Immobilie interessiert mich nicht", sagt der Gesundheitsökonom im Gespräch mit dem Standard. Der Betrieb des Hanusch-Krankenhauses ist es, der ihn reizen würde. Jenes Spitals also, das im Eigentum der schwer defizitären Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) steht und das zuletzt von mehreren VP-Politikern, von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat abwärts, als Verkaufsobjekt oder Ausschusskandidat aus der Sozialversicherung lanciert wurde. Sie meinen, die Kasse solle den Defizitbringer abstoßen.

Für den theoretisierenden Gesundheitsökonomen und praktizierenden Spitalsbetreiber Köck ist das Hanusch-Spital indes ein "sehr attraktives, gutes Krankenhaus". Von dem er aber "überzeugt ist, dass es ein Privater billiger machen könnte". Sein Modell sähe eine Trennung in eine Besitz- und eine Betriebsgesellschaft vor. Die Gebäude könnte die Kasse selbst behalten oder an die Bundesimmobiliengesellschaft BIG verkaufen, oder "man findet einen Immobilienfonds, dem eine Betriebsrendite gewährt wird", meint Köck.

Zwischen Betreibern und Besitzern würde ein Vertrag über die schrittweise Reduktion des Abgangs, "sicher keine steigenden Defizite", geschlossen, betont Köck. Der erwartete Abgang müsste vom Träger garantiert werden. Alles darunter bliebe den Betriebsführern.

So geschehen im Krankenhaus Spittal/Drau, das von der von Köck mitgegründeten Krankenanstaltenbetriebs-Gesellschaft HCC als "öffentliches Spital privat gemanagt wird" – "finanziell eindeutig im Plus und mit Kosten um 15 bis 20 Prozent unter dem Durchschnitt anderer Spitäler", so Köck. Weitere HCC-Aktionäre sind übrigens der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner und die RLB-NÖ u. a.

Einer möglichen Übernahme des Hanusch- Spitals stehen allerdings mehrere Dinge entgegen: Kassenobmann Franz Bittner zum STANDARD: "Wir verkaufen nicht." Das Spital sei ein "unverzichtbares Kompetenzzentrum für die gesamte Sozialversicherung". Das Hanusch, das über 4,5 Prozent der Wiener Akutbetten verfügt, stelle etwa 19 Prozent der Wiener Dialysekapazitäten bereit.

Das von den Verkaufsbefürwortern vorgebrachte Argument, das Spital sei schuld am Finanzloch der Wiener Kasse, weist man zurück. Die WGKK hat 2003 sieben Millionen Euro Abgangsdeckung für das Hanusch-Spital gezahlt, bei einem Gesamtkassendefizit von 171 Millionen Euro sind das vier Prozent.

Die Stadt Wien musste im Jahr 2001 24 Millionen löhnen, ebenso viel floss aus dem Strukturausgleich der Kassen. Das Gros der Gesamtfinanzierung des Hanusch-Spitals (2001: 121 Millionen Euro) trägt der Wiener Krankenanstaltenfonds (57 Millionen Euro).

Das Spital als "Sachleistung"

Bittner schlug Rauch-Kallat vor, das Hanusch künftig als "Sachleistung" in den Spitalsfinanzierungskreislauf einzubringen, dann könnte es als Strukturnachteil im Ausgleichsfonds entfallen. Andere Kassen müssten sich nicht beschweren, für ein Spital einer anderen Kasse mitzuzahlen.

So einfach würde die WGKK das Spital gar nicht los: Es gibt eine dreifache Betriebsführungspflicht, erklärt WGKK-Sprecher Jan Pazourek: Über ASVG, Krankenanstaltengesetz und Krankenanstaltenplan. Für einen Besitzerwechsel müsste die Regierung das ASVG, die Stadt Wien den Rechtsstatus des Spitals und der Bund einvernehmlich mit allen Ländern den Spitalsplan ändern. Ein potenzieller Hanusch-Kandidat will das Spital indes nicht einmal geschenkt: Wien. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.5.2004)