Es gibt ein vorchristliches Volk im Süden Europas, das jahrhundertelang von prominenten und kriegerischen Nachbarn wie Griechen, Makedonen, Thrakern, Kelten und Venetern umgeben, aber nicht unterzukriegen war: die Illyrer. Dem ursprünglichen Hirtenvolk, das sich aufgrund äußerer Umstände zunächst mit der Kriegsführung und schließlich mit dem Handel auseinander setzte, konnte erst der Makedonenkönig Philipp II. und sein Sohn Alexander der Große (356-323 v. Chr.) erfolgreich Widerstand leisten. Und dennoch: Selbst neben dem Weltreich von Alexander dem Großen existierte die Kultur der Illyrer weiter. Die Heimat der Illyrer lag keine 750 Kilometer von Wien entfernt - im heutigen Albanien.

Dennoch ist dieses Volk viel zu wenig erforscht. Mit ein Grund: Sie selbst haben keine Texte in ihrer Sprache aufgezeichnet. Die relativ dürftigen Kenntnisse stammen vor allem aus den Nachrichten antiker Autoren, aus archäologischen Funden, aus griechischen und lateinischen Inschriften, aus Münzen ihres Siedlungsgebietes, aus Gräberfunden und aus Orts- und Personennamen. Den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung spiegelt die Sonderausstellung "Die Illyrer", die noch bis November im Museum für Urgeschichte im niederösterreichischen Asparn an der Zaya gezeigt wird.

Durch eine vom Wissenschaftsministerium unterstützte Kooperation zwischen Albanischer Akademie der Wissenschaften, Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni Wien und Museum gelang es erstmals, mehr als 350 Originalfundstücke aus Albanien herauszuholen und nach Österreich zu bringen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9. 5. 2004)