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Seit dem Revival der mechanischen Uhr

Anfang der 90er-Jahre ist es still geworden um die elektronischen Zeitmesser. Dabei fing doch alles so großartig an: Das Schweizer Konsortium CEH brachte 1968 das Prinzip der "Quarzuhr" zur Serienreife. Die Tage der mechanischen Uhr schienen gezählt. Extreme Ganggenauigkeit und die Möglichkeit nahezu beliebiger Zeitfunktionen öffneten der Quarzuhr eine scheinbar goldene Zukunft.

Foto: Rolf Haid/dpa

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Doch heute erinnern sich viele

der renommierten Uhrenmarken nur noch ungern daran, mit welcher Intensität sie die damals neue Technologie einführten. Audemars Piguet, Breitling, Rolex, alle waren mit der Entwicklung von "Quarzuhren" beschäftigt. Inzwischen investieren diese Marken wieder Millionen in die Entwicklung neuer mechanischer Uhrwerke.

Foto: EPA/BARBARA WALTON

Aber die Dinge bleiben in Bewegung

Während die bekannten Quarzuhrproduzenten tapfer immer neue Modelle zur elektronischen Zeitmessung vorstellen, die statusbewusste Zeitgenossen kaum ernsthaft interessieren, haben andere längst erkannt, dass es auch bei der elektronischen Uhr nur sekundär ums Zeitablesen geht. Viel faszinierender ist ein echter Technologieträger am Arm. Bezeichnenderweise sind deshalb alle hier vorgestellten Hersteller keine traditionellen Quarzuhrproduzenten.

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Die Technologiemarke

Matsucom hat vor nunmehr vier Jahren ein Gerät präsentiert, das unter dem programmatischen Namen OnhandPC vertrieben wird. Es ist bis heute einzigartig und ein ganz heißer Tipp für Sammler. Denn das Gerät hält, was der Name verspricht. Im Prinzip handelt es sich tatsächlich um einen vollständigen Organizer mit Palm-Betriebssystem am Armband. Das macht durchaus Sinn: Via Computer füllt man alle erdenklichen Daten, Adressen und Termine sowie Anwendungen in seinen OnhandPC und hat diese unterwegs immer dabei.

Foto: Matsucom

Die direkte Dateneingabe

gestaltet sich allerdings mehr als mühsam: Mit dem integrierten Minijoystick Termine in das Gerät zu stochern ist nur etwas für wirklich spielwütige Menschen, denen es nicht zu dumm ist, hektisch an der Uhr hantierend neben ihrem Gesprächspartner zu stehen. Das sportlich-bullige Design ist zwar gewöhnungsbedürftig, die Palmtechnologie birgt allerdings einen bis heute einzigartigen Vorteil: Technisch bewanderte Zeitgenossen können die grafische Oberfläche der Zeitanzeige völlig frei gestalten. Bedenkt man, welchen Ehrgeiz viele in die Gestaltung ihres Handyklingeltons legen, ist es eigentlich unverständlich, dass Digitaluhrenhersteller dieses Phänomen technischer Selbstverwirklichung nicht schon länger für ihre Uhren nutzen.

Foto: Matsucom

Elektronische Sportuhren

Die finnische Firma Suunto ist unter Spezialisten bekannt für hochwertige, mechanische Kompasskonstruktionen. Erst seit relativ kurzer Zeit beschäftigt sich die Firma mit der Herstellung von elektronischen Sportuhren. Nach furiosem Start fertigt Suunto inzwischen eine ganze Reihe spezialisierter Armbandgeräte, jeweils ausgestattet mit speziellen Funktionen: Tauch- und Bergcomputer, Golf- und Segleruhren.

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Nun stellt Suunto erstmals

eine Uhr für den Innenstadtdschungel vor. Das inzwischen typische Suunto-Design mit großem, funktionalem Informationsdisplay dient hier vor allem als Nachrichtenticker: Die Suunto N3 ist für das Messagingsystem MSN Direct vorbereitet, bei welchem vorher ausgewählte Newskanäle per Funk auf die individuelle Uhr gesendet werden. Der Wermutstropfen: In Amerika bereits eingeführt, geht dieses Messagingsystem voraussichtlich erst ab Herbst in Europa in Betrieb. Suunto zeigt beispielhaft, wie neue Technologien erst in "aufgeschlossenen Randmärkten" wie dem Freizeitbereich eingeführt werden, um sich dann in statusträchtigere Bereiche vorzuarbeiten.

Foto: Suunto

Einen ähnlichen Weg

beschreitet die amerikanische Firma Garmin. Sie ist Marktführer bei der Herstellung von satellitengestützten Navigationssystemen, kurz GPS. Diese Kompetenz hat Garmin nun ins kleinstmögliche Gehäuse gepackt. Wobei kleinstmöglich unter Uhrgesichtspunkten relativ ist, denn der Garmin Forerunner 201 hat trotz aller Verkleinerungskunst das Gewicht und die Maße eines platt gesessenen Mars-Riegels. Aber im Unterschied zur vor Jahren viel bewunderten, aber wenig gekauften GPS-Uhr von Casio, der bis heute kleinsten, nicht militärischen GPS-Konstruktion, versucht der Forerunner von vornherein nicht Uhr zu sein.

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Er ist ein demonstratives

Outdoor-Navigationsinstrument, mit dem man auch in der Stadt reüssieren kann: Beim Joggen lässt sich die zurückgelegte Distanz und Geschwindigkeit genau bestimmen, die Trainingsleistungen werden automatisch aufgezeichnet, und falls es einmal zu weit hinausgeht, weiß der Forerunner auch den Heimweg.

Foto: Garmin

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Aber geben wir's zu:

Funktional sind diese Uhren bestenfalls in ihren speziellen Einsatzbereichen. Doch dass "Computing" sich vom uns bekannten Computer löst und in alle Lebensbereiche vordringt, lässt sich anhand dieser Vorreiter einer komplett neuen Gerätegeneration gut belegen. Derartige Avantgardesysteme für den Arm erfreuen den Homo ludens in uns, sorgen für Gesprächsstoff und schaffen ordentlich Distinktion. Technologiefreundlich tauchen, Drachen fliegen, Ultramarathon trainieren - Besitzern solch elaborierter sportiver Messinstrumente traut man einiges zu. Wenn das kein Imagegewinn ist.(pede/DER STANDARD, Printausgabe)

Foto: APA/Barbara Gindl