Washington - Der "Taguba-Bericht" enthält die Erkenntnisse einer Untersuchung der Misshandlungsvorwürfe im Abu Ghraib-Gefängnis im Irak. Der Bericht ist nach dem die Untersuchung durchführenden US-Generalmajor Antonio Taguba benannt. Taguba wurde am 31. Jänner 2004 mit der Untersuchung beauftragt, sein Bericht wurde am 3. März fertig gestellt. Der Untersuchungsbericht wurde vom Pentagon als "geheim" eingestuft, die private Organisation globalsecurity.org hat den Bericht auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Im Folgenden eine Übersetzung von Auszügen:

"5. Zwischen Oktober und Dezember 2003 wurden im Abu Ghraib-Gefängnis zahlreiche Fälle von sadistischen, krass unrechten, verwerflichen kriminellen Misshandlungen an mehreren Häftlingen begangen. Diese systematische und illegale Misshandlung von Gefangenen wurde durch mehrere Mitglieder der Wachmannschaft der Militärpolizei (372. Militärpolizei-Kompanie, 320. Militärpolizei-Bataillon, 800. Militärpolizei-Brigade) absichtlich durchgeführt, und zwar in der Abteilung 1-A des Abu-Ghraib-Gefängnisses (BCCF). Die Misshandlungsvorwürfe sind belegt durch detaillierte Zeugenaussagen und die Entdeckung extrem deutlicher fotografischer Beweismaterialien. Wegen der äußerst heiklen Natur dieser Fotografien und Videos, der laufenden Untersuchung und der Möglichkeit einer strafrechtlichen Verfolgung mehrerer Verdächtiger ist dieses Beweismaterial nicht in diesem Untersuchungsbericht enthalten. Die Bilder und Videos können vom Kriminal-Untersuchungs-Kommando und vom Anklageteam erhalten werden. .....

6. Ich habe festgestellt dass die absichtliche Misshandlung von Gefangenen durch Angehörige der Militärpolizei folgende Handlungen enthielt:

  • a. Faustschläge, Ohrfeigen und Fußtritte gegen Gefangene; Springen auf ihre nackten Füße
  • b. Video-Filmen und Fotografieren nackter männlicher und weiblicher Gefangener
  • c. Zwangsweises Arrangieren von Gefangenen in verschiedenen sexuell eindeutigen Positionen um sie zu fotografieren
  • d. Gefangene wurden gezwungen sich auszuziehen und mussten mehrere Tage lang nackt bleiben
  • e. Männliche Gefangene wurden gezwungen Frauen-Unterwäsche zu tragen
  • f. Männliche Gefangene wurden gezwungen zu masturbieren während sie fotografiert und gefilmt wurden
  • g. Männliche nackte Gefangene wurden in einem Haufen übereinander gelegt, und dann wurde auf sie gesprungen
  • h. Ein nackter Gefangener wurde auf eine Schachtel gestellt, mit einem Sandsack auf seinem Kopf, und an seine Finger, Zehen und an seinen Penis wurden Drähte angebracht um Folter mit elektrischem Strom zu simulieren
  • i. Auf das Bein eines Gefangenen, dem vorgeworfen wurde einen 15-jährigen Mitgefangenen vergewaltigt zu haben, wurde geschrieben "Ich bin ein Vergewaltiger", dann wurde er nackt fotografiert
  • j. Einem nackten männlichen Gefangenen wurde eine Hundeleine oder ein Band um den Hals gelegt, dann posierte eine Soldatin für ein Foto
  • k. Ein männlicher Militärpolizist hatte Sex mit einer weiblichen Gefangenen
  • l. Militär-Wachhunde ohne Maulkorb wurden benutzt um Gefangene einzuschüchtern und zu verängstigen, in mindestens einem Fall wurde ein Gefangener gebissen und schwer verletzt
  • m. Tote irakische Gefangene wurden fotografiert
....

8. Darüber hinaus schilderten mehrere Gefangene auch folgende Misshandlungen, die ich angesichts der Umstände für glaubwürdig halte, besonders wegen der Deutlichkeit ihrer Aussagen und der Beweise durch weitere Zeugen:
  • a. Lampen wurden zerbrochen und die phosphorhaltige Flüssigkeit wurde über Gefangene gegossen
  • b. Gefangene wurden mit einer geladenen 9-mm-Pistole bedroht
  • c. Nackte Gefangene wurden mit kaltem Wasser übergossen
  • d. Gefangene wurden mit einem Besenstiel und einem Sessel geschlagen
  • e. Männlichen Gefangenen wurden Vergewaltigungen angedroht
  • f. Ein Wachmann der Militärpolizei nähte die Wunde eines Gefangenen, der verletzt wurde als er gegen eine Wand geschleudert wurde
  • g. Ein Gefangener wurde mit einer Neonröhre und möglicherweise einem Besenstiel anal vergewaltigt
  • h. Gefangenen wurde gedroht, dass Wachhunde des Militärs auf sie gehetzt werden, und in einem Fall biss ein Hund einen Gefangenen
.... " (APA)