Bild nicht mehr verfügbar.

Die Ehrentribüne Momente nach der Explosion

Foto: reuters

Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: Reuters/ Str
Grosny/Moskau - Wenn es stimmt, was die russische Zeitung Kommersant vor einigen Tagen meldete, so sollte der rechtmäßig gewählte, von Moskau aber nicht mehr anerkannte Präsident Tschetscheniens und Rebellenführer Aslan Maschadow in diesen Tagen endlich verhaftet werden. Man wollte den Beginn von Wladimir Putins zweiter Amtszeit mit einer Erfolgsmeldung schmücken, nachdem Umfragen dem russischen Präsidenten ein Versagen in der Tschetschenienpolitik ausgewiesen hatten.

Es kam katastrophal anders. Zwei Tage nach der offiziellen Amtseinführung und am großen russischen Tag des Sieges über Nazideutschland bringt ein grauenhafter Terroranschlag in Grosny den tschetschenischen Knoten mit größerer Wucht denn je zurück ins Blickfeld: Dabei wurden am Sonntagvormittag der von Moskau gestützte Präsident Tschetscheniens, Ahmed Kadyrow, und ein Staatsrat der Republik, Hussein Isajew, sowie bis zu fünf weitere Personen getötet worden.

Mindestens 50 Menschen wurden verletzt. Unter den Toten befindet sich auch Adlan Khasanow, ein 33-jähriger Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Eine tschetschenische Separatistenquelle sprach auch vom Tod des Finanzministers Eli Isajew. Der russische Kommandant für den Nordkaukasus, Waleri Baranow, überlebte den Anschlag mit lebensgefährlichen Verletzungen.

Einbetonierte Bombe

Die Bombe detonierte direkt unter der Haupttribüne des Dynamo-Stadions in der Hauptstadt Grosny während eines Konzertes zum Tag des Sieges. Da das Stadion am Vorabend und am Sonntagmorgen von Aufklärungsspezialisten und Pionieren durchkämmt worden war, ging das tschetschenische Innenministerium davon aus, dass der Sprengstoff direkt in einer Betonüberdeckung des Stadions während der jüngsten Umbauarbeiten, die erst am Vorabend abgeschlossen wurden, eingebaut worden sein musste. Die Internetseite tschetschenischer Separatisten, "Kavkaz Center", brachte ihrerseits auch die Variante einer Selbstmordattentäterin ins Spiel.

Über die Urheber des Anschlags gab es zunächst nur Vermutungen. Maschadows Vertreter Usman Fersauli nannte gegenüber dem Radiosender "Echo Moskwy" als Möglichkeit Personen, die mit der Aufteilung der Moskauer Geldmittel für Kadyrow unzufrieden sind. Der ehemalige russische Geheimdienstchef Nikolaj Kowaljow geht von einem Verrat in den unmittelbaren Sicherheitsstrukturen um Kadyrow aus. Fünf Verdächtige wurden festgenommen.

Der Anschlag erschüttert die ohnehin instabile Situation in der Kaukasusrepublik von Grund auf. Die bisherige Strategie Moskaus war nach Ansicht der meisten Beobachter ganz auf die Person Kadyrows ausgerichtet.

Laut Präsident Putin werde sich am eingeschlagenen Kurs im Kaukasus nichts ändern. Neue Präsidentschaftswahlen wurden für Anfang September angesetzt. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2004)