Das Hanusch-Krankenhaus fliegt gerade als politischer Spielball durch das innenpolitische Stadion. Losgetreten wurde er von gesundheitspolitisch hasardierenden VP-Politikern. Auf dass der Schnellste oder Geschickteste den Spielball Hanusch erwische. Hauptsache, er wird dem Zugriff der Wiener Gebietskrankenkasse entzogen. Das ist praktizierte Patientenverunsicherung anstatt der dringend notwendigen Reform des gesamten Spitalswesens und sinnvoller Umstrukturierung der Angebotskapazitäten.

Die Begründung, die für eine Loslösung oder den Verkauf des Hanusch-Spitals vorgebracht wird, ist schwach: Ja, die Wiener Kasse hat ein Defizit, das höchste aller Gebietskrankenkassen. Und sie ist als einzige der Kassen per Gesetz definierte Eigentümerin eines Spitals. Eines Spitals, das keine Cashcow ist, die Millionen abwirft, sondern rund sieben Millionen pro Jahr an Zuschuss von der Kasse braucht. Das sind knapp vier Prozent des Gesamtdefizits der Wiener Kasse. Bleiben 96 Prozent des Defizitkuchens, die nicht dem Corpus Delicti geschuldet sind.

Aber öffentliche Spitäler sind keine lukrativen Cashcows, sie erfüllen einen sozialen Versorgungsauftrag, der nicht nur nach Marktprinzipien zu regulieren ist. Eine Goldgrube wird ein Spital, das sich nicht gerade auf Schönheitsoperationen spezialisiert hat, schwerlich sein. Es sei denn, man verabschiedet sich vom Gedanken, dass Krankheit als Risiko nicht voll individualisiert werden soll. Es gibt Dienstleistungen, die keine Ware sind wie jede andere auch: Bildung, Infrastruktur, Daseinsvorsorge, Gesundheit. Dort sollte der Staat sehr vorsichtig sein und überlegen, ob er vom Versorger zum Kunden werden möchte. Er wäre zwar das finanzielle Risiko los, aber schadlos halten könnten sich die Gesundheitsunternehmer dafür an den Patienten. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2004)