Dass er nicht selber löschen durfte, hat D., verkraftet. Obwohl, meinte er am nächsten Tag, irgendwie hätte er das cool gefunden, als Held durch den Rest der Woche zu gehen. Vielleicht sogar in irgendeinem Chronikteil einer Zeitung aufzutauchen. Vielleicht sogar mit Foto: D. – ein Held - mit herausgereckter Brust neben dem Mistkübel. Auf den zeigt entweder ein Pfeil (D. ist da so wie ich – wir lieben Pfeilbilder in den Chronikteilen der Tageszeitungen). Oder D. zeigt mit ausgestrecktem Arm und ausgestrecktem Zeigefinger (diese Bilder mag D. auch, aber nicht so sehr wie ich – ich bin knapp daran, mir eine Zeigefoto-Sammlung zuzulegen). Aber im Augenblick selbst, erklärte D., habe er nicht an künftigen Heldenruhm gedacht, sondern zuerst geschaut, ob seine Tochter eh nicht in Gefahr sei – und dann einen Feuerlöscher gesucht. Bloß: Da war keiner.

Nicht dass der Brand eine weiß Gott wie große Sache gewesen wäre: Als D. neulich mit der einst als Vorortelinie bekannten S45 fuhr, qualmte es halt ein bisserl heftig aus einem Mistkübel. Und als untypischer Wiener schaute D. nicht bloß, sondern wollte was unternehmen. Aber, stellte er gleich darauf fest: In S-Bahn-Stationen gibt es keine Feuerlöscher. Immerhin funktionierte die Notruftaste. Und was genau passiert, wenn man die drückt, wollte D. ja auch schon lange einmal rauskriegen.

Ruhe bewahren

Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine freundliche Stimme. Was denn los sei, fragte sie. D. meldete: Rauch, aus dem Mistkübel, ziemlich heftig sogar, aber kein Feuerlöscher weit und breit. D., beschied die freundliche Stimme, möge ruhig bleiben, man werde sich des Problems annehmen – und jemanden vorbeischicken. D. blieb ruhig. Das tut er meistens. Außerdem blieb er vor Ort. Und wartete auf den nächsten Zug. Nach – handgestoppten - zehn Minuten kam der. D. fuhr davon und winkte dem fröhlich qualmenden Mistkübel zum Abschied zu. Unterwegs hielt er an anderen Stationen Ausschau – nicht nach Bränden, sondern nach Feuerlöschern. Vergebens.

Im Grunde hätte D. ja jetzt zufrieden sein können – und die Sache vergessen. Aber irgendwie wollte er dann doch wissen, wieso ein Feuer in einer Station amtlich zehn Minuten unbekämpft bleiben kann. D. griff zum Telephon, wartete, bis sich beim Kundendienst der ÖBB jemand sein Problem geduldig anhörte – und einen Rückruf versprach. Der kam dann auch: Der Fahrdienstleiter habe ohnehin jemanden geschickt. Aber bis der Mitarbeiter aus Heiligenstadt in Gersthof sei, könne halt ein bisserl Zeit vergehen. Das Feuer sei bei Eintreffen der Amtsperson im Übrigen schon aus gewesen: Irgendjemand dürfte eine Mineralwasserflasche über den glosenden Müll geleert haben.

Öffentliches Diebesgut

D. freute sich – und fragte weiter: Wieso es denn keine Feuerlöscher gäbe. Die, erfuhr er, gäbe es nicht, weil sie – wenn man sie öffentlich zugänglich macht – gestohlen würden: Bis die Stationsaufsicht von Heiligenstadt in Gersthof sei, wären die Diebe längst über alle Berge. Und eigentlich gäbe es ja Feuerlöscher – bloß seien die weggesperrt: Wenn die Stationsaufsicht von Heiligenstadt in Gersthof angekommen sei, könne sie dann immer noch löschen.

D. fragte noch weiter: Die Station habe neue Mistkübel – und seit es diese Mistkübel gäbe, wäre der Perron nicht nur feuerlöscher- sondern auch aschenbecherfrei. Ob das nicht ein bisserl unüberlegt sei. Der Mann von den ÖBB verstand die Frage nicht: Aschenbecher? Wieso Aschenbecher? Aschenbecher brauche man keine. Schließlich sei ein Bahnsteig ein öffentliches Gebäude – und da herrsche ohnehin Rauchverbot.

Im Übrigen, bedankten sich die ÖBB bei D. für sein Interesse, brauche er sich keine Sorgen zu machen: Die Stationsgebäude erfüllten alle Auflagen – auch die brandsicherheitstechnischen – auf Punkt und Komma. Da könne gar nichts passieren. Und gerade das Rauchverbot im Stationsbereich sei Bestandteil dieser Sicherheitsauflagen