Gelsenkirchen - Rund 1000 geladene Gäste bejubelten am Sonntagabend in Gelsenkirchen die Uraufführung von "nullvier - Keiner kommt an Gott vorbei", eines ungewöhnlichen Projekts, das der deutsche Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 zu seinem 100. Geburtstag in Auftrag gegeben hatte. Am Ende der rund dreistündigen Vorstellung herrschte im Musiktheater im Revier (MiR) eine Stimmung wie bei Heimspielen des traditionreichen Revierclubs. "Schalke", riefen die Darsteller - "nullvier", brüllten die Zuschauer zurück, die schon zuvor dem Schlachtruf "Steht auf, wenn ihr Schalker seid" nachgekommen waren.

"Vieles mit der heißen Nadel gestrickt"

"Ich hatte hohe Erwartungen, aber die sind noch weit übertroffen worden", lobte Schalke-Präsident Gerd Rehberg, dem die temporeiche Inszenierung ebenso gefiel wie Rudi Assauer, der vor zehn Monaten die "bekloppte Idee" für das Musical hatte. "Ich als bekennender Kultur-Banause muss sagen: Es war genial, einfach klasse", schwärmte der Manager, der das gesamte Ensemble bei der anschließenden Premierenfeier spontan zu einem Schalke-Spiel einlud. Auch der Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Rudi Völler, stimmte in den Jubelchor ein: "Das war eine ganz tolle Sache. Es hat großen Spaß gemacht, das zu sehen." Schalkes Teammanager Andreas Müller hatte sogar "Tränen in den Augen".

Für die Verantwortlichen des Musiktheaters war das Schalke-Musical eine große Herausforderung. "Eigentlich braucht man für ein solch großes Projekt zwei Jahr Vorbereitungszeit", gestand Generalintendant Peter Theiler. Doch er fand schnell das richtige Team, um die Idee umzusetzen. Das Buch schrieb der Gelsenkirchener Hörspiel- und Drehbuchautor Michael Klaus. Bernd Matzkowski, dessen Vater Paul in den 50er Jahren Schalker Lizenzspieler war, lieferte die Songtexte. Und als Komponist konnte Enjott Schneider verpflichtet werden, der für zahlreiche Film- und Fernsehspiele ("Stalingrad", "Herbstmilch") und TV-Produktionen ("Tatort", "Stauffenberg") die Musik schrieb.

So entstand unter der Regie von Matthias Davids und der musikalischen Leitung von Kai Tietje ein stimmiges und popiges Werk, das mehr als eine Hommage an Schalke ist. "Zuletzt wurde noch vieles mit der heißen Nadel gestrickt", verriet Tietje, der - "gemessen an der kurzen Zeit" - mit dem Endprodukt und der Resonanz beim Publikum "sehr zufrieden" war.

"Nullvier - Keiner kommt an Gott vorbei" erzählt die Geschichte des 17-jährigen Fußballtalents Jojo (Rasmus Borkowski), der Anfang der 80er Jahre die vom Abstieg bedrohten Schalker im letzten Saisonspiel (natürlich gegen den BVB) retten soll. Ausgerechnet jetzt verstrickt sich der Hoffnungsträger in eine schwierige Liebesbeziehung zur jungen Cellistin Louisa (Carina Sandhaus) und wird von seiner eigentlichen Aufgabe auf dem Rasen abgelenkt.

Wahre Highlights sind die witzigen Dialoge zwischen Gott, der zu sehr menschelt und das Schalker Problem nicht lösen will, und einem Rentner und treuen Knappen-Fan. "Mach, datt die Lahmen wieder gehen", fleht "der Alte" im besten Ruhrpottslang um überirdische Hilfe und spricht damit auch dem bekennenden Schalke-Fan, Schauspieler Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern"), aus der Seele: "Schalke hat ja viel mit Religion und Glauben zu tun. Wenn man an den Verein glaubt, kommen auch bessere Zeiten." (APA/dpa)