"Zeitgenossen.com" ist ein Ort im World Wide Web. 1999 eröffnet, ist er eine Gemeinschaftsprojekt von Ursula Hentschläger und Zelko Wiener, die seit langem als Künstler und Kunst- und Medienwissen- schaftler bekannt und geschätzt sind.

Die Zeitgenossen konzentrieren in diesem virtuellen Denkrahmen auf einzelne Bausteine eines Themas, das in der Philosophie seit langer Zeit das Denken bestimmt: Was ist der Mensch? Den äußeren Rahmen der Webtrilogie bildet eine Zeitachse, die von der Gegenwart der Binary Art Site in die Zukunft der Outer Space IP und in die Vergangenheit von Phantasma führt.

Grafik: zeitgenossen.com

Ende März wurde nun in der Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek in München der dritte Teil dieser Trilogie präsentiert. Die Arbeit an PHANTASMA begann 2003 und wird bis 2005 in verschiedenen Ausbaustufen weiter entwickelt. Die Konstruktion interaktiver und audiovisueller Klangräume im World Wide Web gilt dabei als zentrale formale Herausforderung. Die inhaltliche Auseinandersetzung fokussiert auf den Zusammenhang von Macht und Vergänglichkeit.

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Die Arbeit ist eine poetische Interpretation menschlicher Zustände. Tod, Schmerz, Macht, Rausch und Sinnlichkeit - in vier einzeln begehbaren Modulen entsteht mit Hilfe verschiedener medialer Mittel ein verdichtetes Bild von Übergängen.

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- KATASTASIS -
(griechisch: Umstände, Zustände
In fünf unterschiedlichen Klang- Räumen werden audiovisuelle Schichtungen generiert, inspiriert von den sechs Figuren aus der Sammlung der Glyptothek - eine Abfolge von Animationen über den Übergang der Kräfte, das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, die Einsamkeit des Individuums, die Konstruktion von Gottheiten und die Unfassbarkeit der Vergangenheit.

Raum 1 (im BILD) thematisiert den Verfall eines Helden (Aias).
Raum 2 zeigt das Verhältnis von Schrecken und Mißbrauch (Medusa).

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Raum 3 zeigt ein Herrscherpaar (Augustus und Livia).
Raum 4 wird zum Ort des Rausches (Barberinischer Faun) und
Raum 5 (im BILD) löst schließlich alles in Entrückung auf (Aphrodite).

Die einzelnen Animationen wiederholen sich bis zum Verlassen des jeweiligen Raumes.

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- OROS -
(griechisch: Ausdruck, Begriff)
ist ein Experiment mit interaktiven Stimmen. Das Besondere ist die Möglichkeit, individuelle Klangräume oder auch "Sprechchöre" zu erzeugen, die ausschließlich von der jeweiligen Nutzung im Web abhängen. Die Grundlage des Stückes bilden fünf Sätze in vier sprachgebundenen Grundzuständen: Englisch, Griechisch, Deutsch und Stille. Jedes Wort ist hinsichtlich der Sprache frei wählbar.

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- PERIPOU -
(griechisch: ungefähr)
Die Auseinandersetzung mit der Antike wurde für die Künstler zu einer Suche nach interpretierbaren Umständen. Auszüge aus Gespräche mit internationalen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Archäologie, Politik-, Theater- und Kulturwissenschaften oder der Festival-Praxis bilden im PERIPOU-Modul einen allgemeinen Denkrahmen.
Es finden sich Auszüge von: Piero Bordin / Vinzenz Brinkmann / Hilde Haider / Ulrike Koch-Brinkmann / Eva Kreisky / Veronika Mitsopoulos-Leon / Aliki Moustaka / Wolf-Dietrich Niemeier / Elisabeth Samsonow / Yiannis Skourogiannis / Raimund Wünsche

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- TAXIDI -
(griechisch: Reise)
Eine Forschungsreise war für das Projekt unerlässlich. Ursula Hentschläger & Zelko Wiener stellen im TAXIDI-Modul eine kleine Auswahl an Eindrücken auf ihrer Suche nach tatsächlichen Licht- und Größenverhältnissen. Gefunden haben sie diese Kulisse in Form einer modernen Ruine, aber auch das Nebeneinander von griechischer Antike und byzantinischer Kunst, Naturschönheiten und auch den Athener Großstadttrubel.

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Im Begriff von Medien, kurz definiert - die Druckmedien und das Buch erzählen; die Bühne und der Film zeigen; der Cyberspace verkörpert - schaffen die Zeitgenossen mit ihrer Webtrilogie nicht nur einen virtuellen Denkrahmen, sie schaffen es, den Bildschirm verschwinden zu lassen und den Betrachtenden/Eintauchenden in Bewegung zu versetzen. (zeitgenossen/schatz)

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