Das Unverständnis des Rechnungshofpräsidenten über die besonders im Finanzministerium geübte Unsitte, Beraterleistungen teuer zuzukaufen, statt das eigene Personal zu beauftragen, ist ebenso evident wie nachvollziehbar. Warum, fragte Franz Fiedler am Montag in der "ZiB 2" sich und die Zuseher rhetorisch, greift Finanzminister Karl- Heinz Grasser nicht auf die geballte Kompetenz der Beamten in der Finanzprokuratur zurück und wirft stattdessen Millionen für private Firmen hinaus, die dann die Arbeit der Beamten machen sollen?

Nun wäre eine Antwort da^rauf, dass es die einen eben besser können als die anderen. Aber das glaubt vermutlich nicht einmal Grasser, der seine Beamten bei Bedarf als die besten der Republik lobt. Völlig zu Recht - im Gegensatz zu ihrem veröffentlichten Ruf sind Ausbildung, Arbeitsmoral und Fachwissen der heimischen Staatsdiener exzellent, wie auch private Experten unbezahlt bestätigen. Der Mangel an Vertrauen, den Grassers Haltung ausdrückt, ist also mindestens eine grobe Beleidigung seiner Mitarbeiter.

Wäre sie nur das, die Beteiligten könnten damit leben, wobei die Beamten vielleicht gekränkter wären als die Steuerzahler, denen Grasser jetzt mit seiner Großzügigkeit auf die Nerven und Geldtaschen fällt. Insgesamt 10,5 Millionen Euro brachte der Minister seit Mai 2000 in 44 Einzelvergaben zur Verwaltungsreform und Reorganisationsprojekten unter die Leut’ - und spricht damit ohne Worte mindestens eine böse Unterstellung aus: "Mit Gänsen kann man nicht über Weihnachten reden. Ich traue den Beamten nicht zu, ihren Arbeitsbereich schlanker und kostengünstiger zu gestalten. Also lasse ich die Pläne von Unbeteiligten zeichnen und verhandle dann mit der Beamtengewerkschaft, was sich umsetzen lässt."

Besonders weitsichtig oder innovativ ist das nicht. Aber es liegt im politischen Mainstream, Verantwortung abzugeben, wenn es einmal eng wird - wie internationale Beispiele belegen. In Deutschland führten Vergabepraktiken, wie sie besonders Grasser pflegt, vor drei Monaten zu einem handfesten Skandal, den selbst höfliche Medien wie die Zeit als Auswüchse der "Berater-Republik" bezeichneten.

Auslöser war die Affäre um einen Beraterauftrag an eine renommierte Hamburger Firma, mit dem die niedersächsische Landesregierung Konzepte zur Konsolidierung der Landesfinanzen einholen wollte. Die Hamburger Firma kam, sah und kassierte rund 516.000 Euro. Geliefert wurde eine Analyse, die auf der Maßnahmenliste beruhte, welche Landesbeamte den Politikern längst vorgelegt hatten und die bis zum Auftauchen der Troubleshooter in deren Schubladen verschimmelte. In den folgenden Wochen modelten die Berater "die grauen Aktenblätter in bunte Präsentationsfolien um", schrieb die Zeit und zitierte den Präsidenten des dortigen Landesrechnungshofes: "Der Erkenntniswert für Insider war gering, der Anschein eines Konsolidierungskonzeptes für die Regierung war groß."

Zu weit hergeholt? Mitnichten. Denn im Grunde passiert in Österreich nichts anderes, bloß ein wenig versteckter: Seit Jahren werden Beamtenstellen unter dem Schlagwort der Budgetsanierung abgebaut beziehungsweise nicht nachbesetzt. Die Arbeit, die trotzdem gemacht werden muss, wird an externe Private vergeben, die in der Regel viel teurer, mit der Materie aber nicht annähernd so vertraut sind wie die Beamten. Und das wird dann als Einsparung verkauft, indem auf die sinkenden internen Personalkosten verwiesen wird, die explodierenden externen schamhaft verschwiegen oder anders betitelt werden.

So argumentiert denn auch die Politik: Da ist von Einsparungspotenzialen in Millionenhöhe die Rede, die der teure, aber kundige Griff der Berater ans Licht gezerrt habe. Die sind bisher niemandem sonst aufgefallen. Zieht das nicht, spricht der Kanzler eines seiner seltenen Worte zur aktuellen Lage: Der Rechnungshof soll sich nicht aufplustern, die Vergabepraxis ist eh schon geändert. Ja, eh. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.5.2004)