Starjournalist Seymour Hersh bezeichnete US-Generalmajor Antonio Taguba kürzlich schlicht als "brillant": "Man muss es der US-Armee hoch anrechnen, dass wir Leute wie ihn haben, mit seiner Intelligenz, seiner Weisheit und der Fähigkeit, so hart und offen zu schreiben, wie er das getan hat." Bei den Kameraden ist "Tony" Taguba für seine hohen moralischen Werte und seine Unerschrockenheit bekannt: "Wenn man die Wahrheit will, wird er sie sagen", erklärte ein General, der unter ihm gedient hatte.

Amerikaner mit philippinischer Abstammung, hat er den zweithöchsten Rang in der US-Armee. Taguba nahm sich schon lange vor der Veröffentlichung seines internen Berichtes über Folterungen irakischer Gefangener im Abu- Ghraib-Gefängnis bei Bagdad kein Blatt vor den Mund. Und über Misshandlungen von Soldaten in Gefangenschaft wusste Antonio Taguba schon früh Bescheid: Sein Vater, Oberfeldwebel Tomas Taguba, war während des Zweiten Weltkrieges in japanische Gefangenschaft geraten. 2001 warf General Antonio Taguba der Armee öffentlich vor, die 20-jährige Karriere seines Vaters und dessen Leidensweg in japanischen Gefangenenlagern nicht genügend gewürdigt zu haben.

Antonio Taguba wurde 1950 in Manila auf den Philippinen geboren und zog mit seiner Familie im Alter von elf Jahren nach Hawaii, wo er seine Kindheit verbrachte, die er heute als sehr glücklich bezeichnet. Nach Absolvierung der Idaho State University trat er schon Anfang der 70er-Jahre in die Armee ein, wo er sehr rasch Karriere machte und unter anderem auch in Deutschland eingesetzt war. Seit 1995 leitet er die Vierte Infanteriedivision der Zweiten Armeebrigade und ist derzeit in Kuwait stationiert.

Ende Jänner wurde Taguba mit einer "informellen Untersuchung" der Ereignisse in irakischen Gefängnissen mit besonderer Betonung auf dem "Verdacht von Misshandlungen" beauftragt. Taguba ging weit über seinen ursprünglichen Befehl hinaus - in seinem Bericht äußert er die starke Vermutung, dass Mitglieder des Militärgeheimdienstes und private Auftragnehmer "entweder direkt oder indirekt für die Verfehlungen verantwortlich" seien.

Taguba hat das Rampenlicht bisher gemieden, zeigt sich jedoch stolz über seine Herkunft als Filipino und die Karriere in den USA: "Wir haben bewiesen, dass wir zur Gesellschaft beitragen können und gleichzeitig unser eigenes Erbe und unsere Kultur bewahren können." Mit seinem Bericht wurde "Tony" zum Helden unter amerikanischen Filipinos, die ihre Dienste vom US-Militär nicht genügend geschätzt sehen.

Heute lebt Taguba mit seiner Frau Debbie und seinen beiden Kindern Lindsay und Sean in Peachtree City, einem Vorort von Atlanta, Georgia. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 12.5.2004)