Wien - Die von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) mit Beginn dieses Schuljahrs verordneten Stundenkürzungen haben an den AHS fast alle Fächer getroffen. Auf Grund der kurzfristigen Einführung der Maßnahme hätten sich zwischen 80 und 85 Prozent im Großen und Ganzen an die vom Ministerium vorgegebenen Stundentafeln gehalten, so die Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik. Diese sehen gleichmäßige Kürzungen in fast allen Unterrichtsgegenständen vor. An echten schulautonomen Stundentafeln mit Schwerpunktsetzungen sei erst im heurigen Schuljahr gearbeitet worden, diese treten dann 2004/05 in Kraft. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen die AHS-Direktoren.

Mit der so genannten "Wochenstundenentlastungs- und Rechtsbereinigungsverordnung 2003" wurden im laufenden Schuljahr je nach Schultyp unterschiedlich viele Unterrichtseinheiten gestrichen. Die Zahl der Pflichtwochenstunden - jeweils die Summe der Wochenstunden über vier Jahre gerechnet - sank in der Volksschule von 92 auf 90, in der Hauptschule von 127 auf 120, in der AHS-Unterstufe von 126 auf 120 und in der AHS-Oberstufe von 138 auf 130.

Schulen entschieden

Welche Fächer konkret wegfielen, blieb grundsätzlich den einzelnen Schulen überlassen: Sie konnten selbst entscheiden, ob sie eine vom Ministerium vorgegebene, so genannte subsidiäre Stundentafel verwenden, oder Schwerpunkte in bestimmten Fächern setzen und dafür auf autonome Stundentafeln mit Bandbreiten und verpflichtenden Mindeststundenzahlen zurückgreifen. In den vom Ministerium vorgegebenen Stundentafeln blieb nur Religion ungeschoren - überdurchschnittlich betroffen waren Geografie, Naturwissenschaften und Sprachen.

Die Vorsitzende des AHS-Direktorenverbandes, Margarete Zelfel, betonte auf APA-Anfrage, dass im Herbst sehr viele Schulen die vom Ministerium vorgegebene Stundentafel "nolens volens" eins zu eins übernommen hätten. Erst heuer habe man begonnen, für das kommende Schuljahr auf "eigene" Kürzungen umzustellen.

Wiener Stadtschulrat

Ähnliche Beobachtungen hat der Wiener Stadtschulrat gemacht. Relativ wenige Schulen hätten schon in diesem Schuljahr auf wirklich schulautonome Stundentafeln gesetzt, so AHS-Abteilungsleiterin Johanna Rasch. Über kleinere Änderungen habe man allerdings versucht, so genannte "Ein-Stunden-Fächer" zu vermeiden: Fächer, die auf Grund der Kürzung in einer Klasse nur im Ausmaß von einer Wochenstunde auf dem Stundenplan gestanden wären, seien in diesem Jahr komplett gestrichen und dafür in einem anderen verstärkt unterrichtet worden.

Für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) gab es keine vorgegebenen Stundentafeln, sie mussten die Kürzung im Ausmaß von zwei Wochenstunden pro Klasse (bei HTL z.B. bedeutete das eine Reduktion der gesamten Wochenstunden von 195 auf 185) in den Schulgemeinschaftsausschüssen festlegen. (APA)