Wels - Erstes Urteil in einer Serie von Strafprozessen im Zusammenhang mit einer Massenkarambolage mit rund 100 beteiligten Fahrzeugen auf der Westautobahn in Oberösterreich im Herbst 2002 am Landesgericht Wels am Mittwoch: Ein Lkw-Lenker wurde wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen zu 4.800 Euro Geldstrafe und vier Monate bedingter Haftstrafe - noch nicht rechtskräftig - verurteilt.

Überhöhte Geschwindigkeit

Auf der Anklagebank saß der aus Salzburg stammende Lenker eines Sattelzugfahrzeugs. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er habe sich mit überhöhter Geschwindigkeit der Massenkarambolage genähert, sei auf einen stehenden Wagen aufgefahren und habe dessen Lenker getötet.

An anderen orientiert

Der Fahrer war voll geständig. Was er getan habe, tue ihm leid, und er bitte um ein mildes Urteil. Er schilderte, er sei am Tag des Unfalles um 07.00 Uhr mit seinem 38 Tonnen-Lkw mit etwa 90 km/h unterwegs gewesen - 80 wären erlaubt gewesen, zehn Prozent habe er dazu gerechnet. Weil es bereits nebelig gewesen sei, habe er die Nebelschlussleuchte eingeschaltet. Er habe sich an den ihn überholenden Autos orientiert.

Nebelwand

Dann sei eine Nebelwand gekommen. In dieser sei er zuerst auf einen Lkw und später auf einen Klein-Lkw aufgefahren, in dem der Lenker durch den Aufprall ums Leben kam. Er selbst habe bei dem Unfall das Bewusstsein verloren und habe einen Sehneneinriss an der rechten Hand sowie Prellungen erlitten. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er es rund um sich immer wieder krachen gehört. Erst eine Woche zuvor habe er als Fernfahrer zu arbeiten angefangen, mittlerweile fahre er 160.000 Kilometer pro Jahr.

Der Richter wertete die Geschwindigkeit des Lenkers als überhöht, somit seien die besonders gefährlichen Umstände gegeben. Die Strafe nahm der Angeklagte an. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

Sieben Menschen starben

Ausgelöst wurde die Massenkarambolage am 30. September 2002 auf der Westautobahn im oberösterreichischen Seengebiet durch eine plötzlich aufgetauchte Nebelwand. An die 100 Fahrzeuge waren darin verwickelt. Sieben Menschen starben unmittelbar nach dem Unfall, ein achter später im Krankenhaus. 57 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Bald stand fest, dass zahlreiche Lenker im Nebel zu schnell unterwegs gewesen sein dürften. Die Justiz leitete Vorerhebungen ein. Die Staatsanwaltschaft erhob auf Grund der Ermittlungsergebnisse und der Gutachten von mehreren Sachverständigen Anklagen gegen insgesamt 30 Lenker. Die Prozesse werden je nach Schwere des Deliktes entweder im Landesgericht Wels oder im örtlich zuständigen Bezirksgericht Vöcklabruck verhandelt. Bei weiteren 55 Verdächtigen wurden das Verfahren eingestellt, weil ihnen kein Fahrfehler nachzuweisen war oder Verletzungsfolgen nicht ihnen zugerechnet werden konnten. (APA)