New York/London/Wien - Benzin und Diesel in Österreich sind schon wieder teurer geworden. Wie der Autofahrerclub ARBÖ am Mittwoch mitteilte, sind die Preise im mittleren Segment von Dienstag auf Mittwoch erneut um 2 bis 3 Cent angehoben worden.

Der Ölpreis hat unterdessen am Mittwoch den höchsten Stand seit der Kuwait-Krise 1990 erreicht. In New York lag der Preis zeitweise bereits weit über 40 Dollar je Fass (159 Liter).

IEA mit alarmierende Zahlen

Alarmierende Zahlen kommen unterdessen von der Internationalen Energieagentur IEA: Das starke Wachstum der Weltwirtschaft wird ihrer Einschätzung nach den globalen Ölbedarf in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit 16 Jahren treiben.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) will laut ihrem Präsidenten Purnomo Yusgiantoro wegen der hohen Preise bereits nächste Woche Freitag, den 21. Mai, in Amsterdam informell über eine Erhöhung der Förderquoten beraten.

Das damit der Ölmarkt wieder beruhigt werden könne, glaubt er allerdings nicht. Gegen die wahren Ursachen für die Rekordpreise - "die geopolitische Unsicherheit", einen Kapazitätsengpass bei den US-Raffinerien und den Einfluss von Spekulanten - sei die OPEC weitgehend machtlos, so Yusgiantoro am Mittwoch in einer Stellungnahme.

Schon jetzt fördert das Kartell, das für rund ein Drittel der weltweiten Ölproduktion steht, Yusgiantoros Aussagen zufolge täglich um zwei Mio. Fass mehr Öl als vereinbart.

Preise bleiben auf hohem Niveau

Die Ölpreise blieben nach den Aussagen des OPEC-Präsidenten weiter auf hohem Niveau. In London notierte ein Fass der Nordsee-Sorte Brent nach einem kurzzeitigen Anstieg auf bereits 37,60 Dollar am Nachmittag bei 37,29 Dollar, 7 Cent unter dem Schlusskurs des Vortages.

In New York kletterte der Ölpreis für die Sorte Light Crude um 10 Cent auf 40,16 Dollar, nachdem im Tagesverlauf bereits fast 40,30 Dollar erreicht worden waren.

Ein Liter Eurosuper kostet laut ARBÖ in Österreich nach der neuerlichen Erhöhung jetzt durchschnittlich 0,980 Euro, ein Liter Diesel 0,810 Euro. In Wien koste Eurosuper an vielen Tankstellen bereits über einen Euro, so ARBÖ-Sprecher Lydia Ninz.

Schon zu Wochenbeginn war Eurosuper 3,2 Cent pro Liter über dem EU-Durchschnitt gelegen. Eine Vereinbarung zwischen OMV und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V), wonach die Preise nicht mehr als 2,9 Cent über das EU-Mittel angehoben werden sollten, war Ende des Vormonats aufgekündigt worden.

68 Prozent tanken preisbewusst

Laut einer repräsentativen Oekonsult-Umfrage unter Wiener Autofahrern, die vom ARBÖ in Auftrag gegeben wurde, tanken nach den Höhenflügen bei den Spritpreisen bereits 68 Prozent der heimischen Autofahrer preisbewusst. Der weltweite Ölverbrauch scheint durch die hohen Preise aber bisher nicht zurückgegangen zu sein.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) ging in ihrem in Paris veröffentlichten Monatsbericht unterdessen davon aus, dass der weltweite Öl-Bedarf in diesem Jahr bei durchschnittlich 80,6 Mio. Fass pro Tag liegen werde - 300.000 Fass pro Tag höher als bisher geschätzt. 2003 war die weltweite Öl-Nachfrage bei 78,6 Mio. Fass pro Tag gelegen.

Keine schnelle Abhilfe möglich

IEA-Direktor Claude Mandil sagte am Dienstag zum Vorschlag Saudi-Arabiens, des größten Erdöl-Exporteurs in der OPEC, die Ölfördermengen um sechs Prozent zu erhöhen: "Ich denke nicht, dass das genug sein wird, denn es wird ein langer Prozess sein, den Markt wieder abzukühlen. Aber es ist ein erster Schritt und ich bin froh darüber."

Offiziell treffen sich die Öl-Minister der OPEC am 3. Juni in Beirut, um über die Förderquoten zu beraten. Die meisten Länder scheinen den Vorstoß Saudi-Arabiens, die OPEC-Förderung zu erhöhen, mitzutragen. (APA)