STANDARD: Ihr Unternehmen tagt in Wien, ist das ein Signal an die erweiterte EU?

Laufenberg: Sorry, aber es ist Zufall.

STANDARD: Laut OECD wird die EU-Wirtschaft erst 2005 zulegen, während die USA boomen. Was sind die Gründe dafür?

Laufenberg: Auch ich glaube, dass 2005 bessere Zeiten kommen. Damit das so bleibt, muss die EU aber jede Menge reformieren, viel effizienter wirtschaften. Die Rahmenbedingungen gehören massiv verändert: Gesetze, Steuern, Gehälter. Deutschland und Österreich klagen über die Abwanderung von Jobs? Da muss die EU eben Anreize fürs Schaffen von Arbeitsplätzen geben. Bei uns funktioniert das: Jobs wandern von Nord nach Süd, nach Mexiko, Japan, in die ganze Welt. Trotzdem schafft die US-Wirtschaft drei Millionen Jobs im Monat, verliert natürlich auch viele. Die EU gehört zentralisiert.

STANDARD: Das vernichtet doch den letzten Rest an Flexibilität.

Laufenberg: Das ist nicht gesagt, die EU hat ja klugerweise auch eine gemeinsame Währung. Die EU ist eine Union, also seid doch eine Union! Die zentralisierten Regulative, die ich meine, würden den Leuten nicht sagen, was sie zu tun haben, sondern ihnen mehr Informationen geben, damit sie gute Entscheidungen treffen können.

STANDARD: Vor der Osterweiterung hat die EU ihren Arbeitsmarkt abgeschottet. Auch klug?

Laufenberg: Das war keine gute Idee. Die Angst der Österreicher, die Leute aus dem Osten würden Jobs wegschnappen, verstehe ich nicht. Auf die Volkswirtschaft umgelegt ist das noch immer besser, als die Jobs gingen in den Osten. Kommen die Leute her, können sie auch Jobs schaffen. Der Arbeitsmarkt ist keine Einbahnstraße.

STANDARD: Immer mehr Staaten verstoßen gegen den Stabilitätspakt. Macht der Pakt Sinn?

Laufenberg: Nein. Die Defizitvorgaben schon gar nicht. Es kommt darauf an, wofür der Staat sein Geld ausgibt, das hätte die EU präziser definieren sollen. Ein Budgetdefizit, das aus Investitionen in wirtschaftsfördernde Infrastruktur entsteht, ist nichts Böses. Defizite aus dem laufenden Betrieb sind schlecht. Das gilt auch für die USA: Solange wir viel Geld in Infrastruktur stecken, ist das o.k.

STANDARD: Soll die EZB die Zinsen in der EU senken?

Laufenberg: Nein, die Zinsen sind mit zwei Prozent so tief, wie sie sein sollen.

STANDARD: Wie beurteilen Sie Deutschlands Probleme?

Laufenberg: Die werden immer größer. Mit der Vereinigung hat das Land eine Menge Verantwortung übernommen, der folgende Anpassungsprozess hat noch nicht geendet. Kein Mensch weiß, wann das enden wird.

STANDARD: Gefährdet die deutsche Krise die EU?

Laufenberg: Ich bitte Sie: Deutschland und Frankreich sind die EU. Wenn einer nicht mehr will, ist die EU kaputt.

STANDARD: Zu den USA: Wird die Fed die Zinsen anheben?

Laufenberg: Ja, ich nehme an im August. Die Zinsen sind mit einem Prozent zu tief für eine Wirtschaft, die um vier Prozent wächst. Ich schätze, wir landen demnächst bei 1,75 Prozent. Und glauben Sie nicht, den USA blieben Reformen erspart. Es wird tiefe Einschnitte ins Gesundheits- und Sozialsystem geben, alle werden etwas hergeben müssen. (DER STANDARD Printausgabe, 13.05.2004)