Die Kabelbetreiber tüfteln an einem Kanal voller Trailer von ORF und Co. Die Mediennovellen könnten sie verpflichten, TV aus dem "Sex-o-drom" einzuspeisen.

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Bis 2010 soll digitales Fernsehen in ganz Österreich deutlich mehr Programme über die Hausantenne liefern als bisher analog. Der Pilotversuch läuft derzeit in Graz.

Für die Kabelnetze bedeutet das neue Konkurrenz neben Satellitenfernsehen, ebenfalls ohne Monatsgebühr.

Zur "Kundenbindung" ist derzeit ein gemeinsamer Infokanal der Kabelbetreiber in der "Konzeptionsphase", bestätigt Gustav Soucek, Sprecher der UPC Telekabel und Generalsekretär des Verbandes Multimedia Austria. Den Kanal wollen die Mitglieder vornehmlich mit Programmtrailern größerer Fernsehveranstalter füllen, bei denen sie auch schon angefragt haben.

Problem: Nicht immer haben die auch genügend Rechte, um neben ihren eigenen Programmankündigungen noch einen zweiten Kanal damit zu bedienen.

Bis Jahresmitte will der Verband konkreter werden, sagt oucek über das Projekt.

Schon kommende Woche endet die Begutachtungsfrist für eine Hand voll Mediennovellen, darunter auch eine des Privatfernsehgesetzes. Sie soll Kabelbetreiber verpflichten, Programme einzuspeisen mit täglich mindestens zwölf Stunden eigengestalteten Sendungen mit "überwiegendem Anteil an österreichbezogenen Programmen". Das könnte TV 6 nützen, das neben Gameshows vor allem leicht bekleidete Damen aus einem Linzer Erotikcenter namens "Sex-o-drom" über Satellit ausstrahlt, erwartet Soucek.

Michael Ogris, Chef der Medienbehörde, sieht das entspannter: Nur weil die Damen sich in Linz ausziehen, muss das noch nicht zwingend Österreichbezug bedeuten.

Streiten kann man auch, ob die damit einen "Beitrag zur Meinungsvielfalt" leisten, wie das Gesetz fordert. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 14.5.2004)