Wien - "Dortmund: Lautsprecheransage beachten. Salzburg: Schienenersatzverkehr. Tullnerbach: Ausfall" - die große Anzeigentafel im Wiener Westbahnhof erwies sich Donnerstagvormittag auch nicht wirklich hilfreich. Hunderte Fahrgäste irrten umher, suchten Züge oder Ersatzbusse, bestürmten die Fahrscheinschalter um Auskunft, die ihnen dort aber auch nicht gegeben werden konnte. Am Tag nach dem Zugunfall an der Stadtgrenze, in dessen Folge die Westbahnstrecke unterbrochen war, versank der Westbahnhof in Chaos.

Aufräumarbeiten werden bis Freitagabend dauern

Wie berichtet, kollidierten Mittwochabend bei Purkersdorf ein Güterzug und eine Schnellbahngarnitur. Neun Menschen wurden dabei verletzt, alle sind außer Lebensgefahr. Der Fahrer der S-Bahn habe ein Rotlichtsignal überfahren, gaben die ÖBB am Donnerstag bekannt. Sach-und Folgeschäden sind enorm, konkrete Angaben lagen noch nicht vor. Die Aufräum- und Reparaturarbeiten werden vermutlich bis Freitagabend, dauern. So lange wird der gesamte Regionalverkehr per Bus zwischen Tullnerbach-Pressbaum und Hütteldorf abgewickelt, internationale Züge werden über Tulln umgeleitet. Intercity und ICE enden in St. Pölten, die Weiterfahrt nach Wien erfolgt ebenfalls mit Bussen.

Donnerstagvormittag kam jedoch auch der Schienenersatzverkehr zum Erliegen. "Leider sind viele Busse im Verkehrsstau stecken geblieben", bedauerte ein ÖBB-Sprecher auf STANDARD-Anfrage. Was auch Christoph Pemmer, Fahrdienstleiter am Westbahnhof, zu spüren bekam. Seine rote Dienstmütze zog Massen von Reisenden an, die wissen wollten, wo und wann es endlich losgehe. Hinweisschilder suchte man vergeblich. Pemmer wies freundlich den Weg: "ICE? Hier entlang, bitte. Nach Salzburg? Zu den Bussen vorm Bahnhof."

Aufstand im Bus

Den richtigen Bus gefunden, hieß aber noch lange nicht, unterwegs zum richtigen Ziel zu sein. Isabella L. wollte eigentlich nach St. Pölten, um von dort per Zug weiter nach Salzburg zu fahren. Doch wie sie dem STANDARD berichtete, habe der Buslenker beide Autobahnabfahrten in die niederösterreichische Landeshauptstadt "versäumt". Was er aber erst dreißig Kilometer danach und erst auf Nachfrage von Passagieren eingestand. Als er durchgab, bis Linz weiterzufahren, löste er ein kleinen Aufstand unter den Fahrgästen aus. Der Chauffeur ließ sich schließlich dazu überreden, in Amstetten Zwischenstation zu machen, wo viele Passagiere empört ausstiegen.

Auf Nachfrage hieß es bei den ÖBB, man überlege bereits, wie man die Unannehmlichkeiten gutmachen könne. Stammkunden dürfen auf Entschädigung hoffen. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 14.5.2004)