Amsterdam - Die Coffeeshops in den Niederlanden müssen demnächst mit unliebsamen Besuchern rechnen: Polizeifahnder, Lebensmittelinspektion, Steuerbeamte und kommunale Aufsicht sollen prüfen, woher die Coffeeshops ihre weichen Drogen haben und wie man sie hindern kann, Cannabis an Ausländer zu verkaufen.

Und sie sollen die bisher geduldete Drogenszene um die Coffeeshops "durchsieben". Denn die "Coffeeshop-Politik", die früher als Symbol für Pragmatismus und Toleranz galt, ist zum Sumpf aus organisierter Kriminalität und Geldwäsche geworden.

So steht es in einem Strategiepapier des Gesundheitsministeriums. Die Regierung von Premierminister Jan Peter Balkenende scheint entschlossen zu sein, das Ruder in der Drogenpolitik radikal herumzureißen: Entmutigen und abgewöhnen heißt es nun, wo früher Toleranz herrschte.

Wie harte Drogen

Illegal war der Verkauf von Cannabis schon immer. Doch wer eine Genehmigung für einen Coffeeshop hatte, konnte sich vor Strafverfolgung sicher wähnen. Verfolgt wurden dagegen die Cannabiszüchter, von denen die Shops beliefert wurden. Die stellten immer stärkeres Cannabis her, das bald die Wirkung von harten Drogen erreichte.

In der gesetzlichen Grauzone entstanden Hanf-Imperien, die den Rohstoff importierten. Gleichzeitig geriet die Regierung unter immer stärkeren Druck der Nachbarstaaten, deren Bürger sich in den Niederlanden mit Cannabis eindeckten, das sie in Länder mit Cannabisverbot einschmuggelten.

Laut Strategiepapier soll es nun den Lieferanten an den Kragen gehen: Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Wohnbaugesellschaften, Finanzbehörden und Polizei riskieren illegale Hanfzüchter den Verlust ihrer Wohnung, Steuernachzahlungen und Ermittlungsverfahren.

Ausweispflicht

Coffeeshops dürfen nur noch mit einem Mindestabstand zu Schulen und Kirchen genehmigt werden. Maastricht wird Versuchsstadt: Dort soll ausprobiert werden, wie Ausländern der Zugang zu den Shops versperrt werden kann. Im Gespräch ist eine Ausweispflicht für Besucher, wobei an Ausländer kein Hanf mehr verkauft werden darf.

Die neue Strategie bringt die Drogenpraxis weit gehend auf eine Linie mit jener der Nachbarländer. Die bestehenden Coffeeshops haben zwar Bestandsgarantie, doch ihre Ausbreitung verhindern viele Gemeinden schon seit längerem.

Die bedeutendste Ausnahme bleibt Amsterdam, wo die Coffeeshop-Lobby sehr stark ist. Vor kurzem hat die Stadtverwaltung angekündigt, sie wolle künftig - im Gegenzug zum neuen Wind aus Den Haag - sogar den Anbau von Hanf für die Coffeeshops dulden. (Klaus Bachmann aus Amsterdam, DER STANDARD Printausgabe 14.5.2004)