Peking - Die erste Detektei Chinas, die komplett von Frauen geführt wird, hat sich eine besondere Stammkundinnenschaft geschaffen: "Zentrum zur Untersuchung und zum Schutz der Frauenrechte" arbeitet für Ehefrauen, die von ihren Männern betrogen oder misshandelt werden.

Große Nachfrage

Obwohl das Büro in der südwestchinesischen Zehn-Millionen-Stadt Chengdu erst vor wenigen Monaten seine Arbeit aufgenommen hat, herrscht kein Auftragsmangel. Täglich zehn oder mehr Anrufe von Frauen sind keine Seltenheit, berichtet Detektei-Leiterin Yan Guoqiong stolz. 25 Detektivinnen sind mittlerweile angestellt. Und sie können einen ersten Erfolg vorweisen: Einen gewalttätigen Ehemann haben sie hinter Gitter gebracht.

Eigene Erfahrungen

"Zentrum zur Untersuchung und zum Schutz der Frauenrechte" nennt sich die Einrichtung offiziell. Hinter dem komplizierten Namen steht eine einfache Idee. Und die kam von einer Frau mit einem Schicksal, wie sie viele Frauen in China teilen. Als die heutige Detektei-Chefin Yan vor zehn Jahren nach einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium heiratete, träumte sie von einer glücklichen Familie und Kindern. Dann stellte sie fest, dass ihr Mann sie betrog. Sie beschloss, sich von ihm zu trennen. Die aufwändige Recherche von Beweismaterial, das sie den Ämtern vorlegen musste, führte schließlich zum Erfolg - der Scheidung von ihrem Ehemann.

Ihr persönliches Schicksal war für die heute 38-Jährige der Anfang von dem, was nun ihre Lebensaufgabe ist. "Ich entdeckte bald, dass viele andere Frauen in einer ähnlichen Situation waren wie ich", erzählt Yan. "Das brachte mich dazu, über die Rechte der Frauen nachzudenken." Und sie beschloss zu helfen.

Verbreitere Konkubinate

Tatsächlich stellt Yans Geschichte kein Einzelschicksal dar. Das moderne China kehrt zu einer alten Tradition zurück: das Konkubinat. Der schnell wachsende Reichtum erlaubt es immer mehr Chinesen, sich eine oder mehrere Mätressen zu leisten - und ein teures Appartement dazu. Nicht selten entstehen aus diesen Verbindungen uneheliche Kinder. Und oft ist Gewalt im Spiel.

Die Mehrheit von Yans Mitarbeiterinnen sind ehemalige Kundinnen. Die schmerzliche Erfahrung des Betrugs oder der Misshandlung ist allen gemein. Ihre Arbeit ist alles andere als gewöhnlich. Um unerkannt zu bleiben, setzen sie schon mal eine Perücke auf oder tragen die traditionellen Kostüme kleiner chinesischer Volksgruppen. Dann, oft mitten in der Nacht, dringen sie in Hotelzimmer oder Wohnungen ein, um Beweisstücke sicherzustellen oder einen Ehemann in flagranti mit seiner Geliebten ertappen.

Beweismittel

Eine dieser weiblichen Sherlock Holmes ist die Anwältin Liu Xaolin. "Dieses Foto haben wir in der vergangenen Nacht aufgenommen", erklärt sie und zeigt auf einen Stapel Bilder. Zu sehen ist ein nackter Mann inmitten zerwühlter Laken. Ein offensichtlich ziemlich verärgerter Mann. "Seine Frau kann die Bilder beim Prozess als Beweismittel verwenden", fügt Liu hinzu.

Dass die Arbeit der Detektivinnen nicht umsonst ist, zeigt der Fall des Mannes, der auf Grund der Nachforschungen der Detektei hinter Gittern landete. Regelmäßig schlug der Mann seine Frau - so lange, bis sie mit drei gebrochenen Rippen ins Krankenhaus kam. "Ein Jahr Gefängnis hat er bekommen", erzählt Detektei-Leiterin Yan mit sichtlicher Genugtuung.

Die Arbeit ist nicht spurlos an ihr vorbeigegangen, gibt sie zu. Aber die Erfahrungen hätten sie stärker gemacht. Wenn es nach Yan geht, sollte es in jeder größeren chinesischen Stadt eine vergleichbare Einrichtung geben. "Und in dem Maße, wie China sich entwickelt, wird das wohl auch bald der Fall sein", glaubt sie. (APA/red)