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Szenenfoto mit (v.l.n.r.) Julia Jentsch, Stipe Erceg und Daniel Brühl

Foto: APA/Y3 FILM HANS WEINGARTNER FILMPRODUKTION
Wien - "'Die fetten Jahre sind vorbei' hat viel mit den letzten zehn Jahren meines Lebens zu tun, in denen ich mehrfach versucht habe, politisch aktiv zu werden, und mehrfach gescheitert bin. Ich wollte immer Teil einer Jugendbewegung sein, aber ich habe nie wirklich eine gefunden." Dieses programmatische Statement gibt der in Berlin lebende Vorarlberger Hans Weingartner seinem Film "Die fetten Jahre sind vorbei" ("The Edukators") mit auf den Weg nach Cannes. Der Streifen, von Weingartners y3 Film mit der Wiener Coop99 als Partner produziert, startet am Montag im Wettbewerb des Festivals.

Er selbst habe Mitte der 90er Jahre in der Berliner Hausbesetzerszene seine politischste Zeit erlebt, schreibt Weingartner im Presseheft seines Filmes. "Irgendwann kam dann die gewaltsame Räumung mit 500 Polizisten im Rahmen einer militärischen Übung. Meine Sachen wurden aus dem Fenster geschmissen, wir wurden abgeführt wie Schwerverbrecher und das Haus wurde dann zerstört. Das war eine traumatische Erfahrung für mich. Ich wusste, ich muss irgendwann noch einen - im weitesten Sinne - politisch engagierten Film machen."

Schnörkellos

In seinem zweiten Spielfilm hat der 33-Jährige wie schon bei seinem preisgekrönten Erstling "Das weiße Rauschen" auf künstliches Licht verzichtet und mit Handkamera "einen einfachen, schnörkellosen und direkten Film" gedreht. Im Vordergrund steht die Geschichte: Jan (Daniel Brühl, der bereits Weingartners ersten Film entscheidend prägte), Peter (Stipe Erceg) und Jule (die auch als Theaterschauspielerin bekannte Julia Jentsch) sind drei Jugendliche, die mit ihren Aktionen die Reichen und Mächtigen verstören wollen:

Sie brechen in deren Wohnungen ein und wollen mit der Unordnung, die sie dort anrichten, ihre Botschaft an die Herrschenden anbringen: "Die fetten Jahre sind vorbei". Als eine ihrer Aktionen schief läuft, wird aus einem gewaltlosen subversiven Widerstand gegen das System plötzlich ein Entführung.

Gibt's noch verschüttete revolutionäre Energie?

"In 'Die fetten Jahre sind vorbei' geht es für mich um die komplexe Frage: Wie kann ich als junger Mensch, hier und jetzt, am Zustand der Welt etwas ändern?" schreibt Weingartner, "Der Film gibt keine klare Antwort, weil es die nicht gibt, aber er soll Mut machen, überhaupt etwas zu tun." Und: "Vielleicht machen sich die jungen Leute, die 'Die fetten Jahre sind vorbei' sehen, auf die Suche nach ihrer verschütteten, revolutionären Energie. Das wäre zumindest ein Traum von mir." (APA)