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Porr-Chef Horst Pöchhacker will mit technisch schwierigen Projekten im Tunnel-, Hoch-und Umweltbau punkten.

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Wien - Die Porr AG, mit knapp 10.000 Mitarbeitern und zwei Milliarden Euro Jahresumsatz Österreichs zweitgrößte Baufirma nach der Bauholding Strabag, will die mangelnde Nachfrage im Inland etwa im Bürobau mit verstärktem Engagement im Ausland kompensieren. Das kündigte Porr-Chef Horst Pöchhacker im Gespräch mit dem S TANDARD an. Zu einer übertriebenen Umsatzausweitung werde es dadurch aber nicht kommen. "Wir streben ein moderates Wachstum an", so der Porr-Chef.

Derzeit erzielt die Porr 70 Prozent ihres Umsatzes im Inland und nur 30 Prozent im Ausland. In einigen Jahren soll das Verhältnis 50 zu 50 sein. Zu den Zielländern zählt Pöchhacker Rumänien, Bulgarien und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Man sei bereits dabei, Tochtergesellschaften mit lokalen Partnern zu gründen. "Wir konzentrieren uns auf Zentraleuropa und meiden Überseemärkte, wo das Risiko nicht so überschaubar ist", betonte der Porr-Chef. Am derzeitigen Boom in China wolle er nicht als Baufirma vor Ort teilnehmen, sondern von den nach China exportierenden Kunden profitieren.

Keine Probleme bei der Finanzierung

In den Zielländern werde jede Bauleistung nachgefragt, Hochbau, Straßen- und Tiefbau - aber immer häufiger auch Umweltbau wie Kläranlagen. Hier habe die Porr bereits Erfahrung. So gehört ihr die Hauptkläranlage für Abwasserreinigung Sloweniens in Marburg. Die Kläranlage hat die Porr gebaut und betreibt sie auch gemeinsam mit einem französischen Partner.

Probleme bei der Finanzierung der Projekte in Osteuropa sieht Pöchhacker nicht, weil der Großteil der Bauten mit EU-Geldern gesponsert wird. Zwar wäre ein stärkeres Engagement im Osten auch bisher möglich gewesen. Jedoch waren das Risiko und die restriktive Kreditpolitik der Banken dabei hinderlich.

Auf schwierige Projekte konzentrieren

Bei ihrem Engagement im Ausland will sich die Porr auf schwierige Projekte mit aufwändiger Technik konzentrieren. In diesen Bereichen sei die Konkurrenz nicht so stark und höhere Renditen möglich. Das ist auch der Grund für die Spartenorganisation des Porr-Konzerns. So gebe es für den Hoch-, Tief- und Straßenbau sowie für die Projektentwicklung Spezialfirmen, die überregional tätig sind. Mit einer Matrix aus diesen Spezialfirmen auf verschiedenen Märkten könne man sich der stark wechselnden Nachfrage optimal anpassen, sagte Pöchhacker. So werden Kapazitäten im Hochbau von Warschau in das boomende Prag verlagert. Beim Tunnelbau wird die Kapazität jetzt aus der Schweiz nach Österreich verlagert, weil die Porr jüngst von der Brenner Eisenbahngesellschaft einen Auftrag über 60 Mio. Euro für den Tunnelbau im Inntal bekam. Die Prager Tochter der Teerag Asdag verlagert ihr Know-how im Asphaltbau derzeit nach Polen, wo der Hochbau stagniert und der Straßenbau nachgefragt wird.

Das bisherige Auslandsengagement der Porr ist auf Polen, Tschechien und Ungarn konzentriert, wo der Konzern im Hochbau und in der Projektentwicklung in den Ballungsräumen Warschau, Prag und Budapest tätig ist. In Zagrab errichtet die Porr zurzeit für Porsche und die Wiener Städtische ein Bürohaus.

Ziel der Porr ist es, so Pöchhacker, bei den Aufträgen eine Ausgewogenheit zwischen den östlichen und den westlichen Nachbarstaaten zu erzielen. Der Konzern sei seit Jahrzehnten in München, Berlin und Hamburg tätig; vor allem in Hamburg gebe es derzeit eine große Nachfrage nach Wohnungen und Büros. (Claudia Ruff, 17.05.2004)