Straßburg - Wegen eines Brandes im französischen Atomkraftwerk Cattenom an der Mosel ist am Sonntag ein Reaktorblock abgeschaltet worden. Wie die Kraftwerksleitung mitteilte, wurde der Reaktorblock 2 am Nachmittag gestoppt, nachdem in einem Kabelraum ein Feuer ausgebrochen war. In dem Bereich werde nicht mit nuklearem Material gearbeitet, hieß es in der Mitteilung der AKW-Leitung. Der interne Notfallplan des französischen Stromkonzerns EdF wurde in Kraft gesetzt.

Die Feuerwehr aus dem nahen Thionville habe den Brand gegen 14.30 Uhr gelöscht, teilte die Präfektur mit. Von außen war das Feuer demnach nicht sichtbar. Untersuchungen zur Brandursache seien im Gange, sagte ein Sprecher des Kraftwerks. Bis zur Klärung bleibe der betroffene Reaktorblock jedoch abgeschaltet.

Häufig Pannen

Ähnliche Vorfälle gab es in Cattenom schon häufiger. Im Mai vergangenen Jahres überhitzte eine elektrische Schalttafel, sodass Rauch austrat. Auch damals wurde die Feuerwehr gerufen, musste aber nicht eingreifen. Betroffen war der Block 4 des Atommeilers.

Wenige Wochen zuvor hatte ein Schwelbrand in einem Lagerraum einen Feuerwehreinsatz erforderlich gemacht. Mitte Februar dieses Jahres waren bei Wartungsarbeiten im damals abgeschalteten Block 3 des Atomkraftwerks ein Beschäftiger des AKW und zwei Arbeiter einer Wartungsfirma leicht verstrahlt worden. Die drei Männer hatten dabei leichte "innere Kontaminationen" erlitten - die in etwa ein Prozent der zulässigen jährlichen Strahlendosis betrugen. Diese beträgt in Frankreich 35 Millisievert, in Deutschland 20 Millisievert.

Das im deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck gelegene AKW Cattenom besteht aus vier Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von 5200 Megawatt. Es ist das zweitgrößte Kraftwerk des Landes nach der Zentrale im nordfranzösischen Gravelines. Der erste Reaktor in Cattenom ging 1986 ans Netz. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.05.2004)