Die Enttäuschung ist im Nachhinein immer groß. Zumindest in jener Neigungsgruppe, die dem Songcontest nach wie vor musikalische Relevanz zumisst. Wäre das tatsächlich so, die Landkarte von Europa besäße einen weißen Fleck mit den Umrissen Österreichs. Im "richtigen Leben" bietet Österreich genug hörenswerte Musik für fast alle Geschmacksrichtungen. Dafür braucht es keinen Songcontest. Selbst dem Musikbusiness gilt er als lästige Pflichtübung, die halt irgendwie erledigt gehört. Dementsprechend verfährt man mit den jeweiligen Interpreten, denen mit dem Willen, ausgerechnet dort ihr Glück zu versuchen, das Stigma des Klassenstrebers anhaftet, der die entsprechenden Sympathiewerte genießt. Zudem investiert niemand gerne in Eintagsfliegen. Und nirgendwo ist die Gefahr größer, als eine solche zu enden, als beim Songcontest. Im günstigsten Fall tritt eine streitbare Figur wie Alf Poier mit einer Nonsense-Nummer an und sorgt damit zumindest im Kleinformat und in den "Seitenblicken" für rote Ohren.

Tie Break, das Trio, das heuer mit der Erbschleicher-Ballade Du Bist den gerechten 21. Platz belegte, sollte nicht einmal das gelingen. Mit zehn Prozent Vorsprung ging es aus der nationalen Vorausscheidung als Sieger hervor - und seit damals konsequent, vorgestern endgültig unter. Wenn einem sogar das Grundübel solcher Irrtümer - das Formatradio Ö3 - die Liebe entzieht, darf man sich über einen Bauchfleck nicht wundern.

Auch den Rest besorgte der ORF: Mit dilettantisch inszenierten Vorausscheidungen, denen man das aufgebrachte Desinteresse in jeder Sekunde ansah, sowie ständigen Niveauunterschreitungen mit Starmania und Co verspielte man selbst beim prinzipiell geneigten Publikum die Glaubwürdigkeit - und damit auch den einzig möglichen Zuspruch. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.5.2004)