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Irakischer Milizionär in Kerbala.

Foto: REUTERS/Zohra Bensemra
Bagdad/Rom - Bei schweren Kämpfen zwischen italienischen Soldaten und schiitischen Milizionären in Nassiriya sind in der Nacht auf Montag neun Iraker getötet worden. 14 weitere Iraker erlitten Verletzungen, wie Krankenhausmitarbeiter mitteilten. Ein italienischer Soldat, der bei den Kämpfen verletzt wurde, ist in der Nacht gestorben. Das berichteten die italienischen Militärbehörden in Nassiriya nach Angaben des italienischen Staatssenders RAI. Matteo Vanzan war einer der 20 Soldaten, die bei den Kämpfen am Sonntag verletzt wurden.

Evakuierung

Das italienische Hauptquartier Libeccio in einem strategischen Punkt zur Kontrolle der städtischen Brücken wurde am Sonntagabend evakuiert, berichteten italienische Medien weiter. Am Sonntag war auch ein Konvoi mit der italienischen Irak-Verwalterin Barbara Contini beschossen worden. Dabei wurden zwei Militärpolizisten verletzt, Contini blieb unversehrt. Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi erklärt sich über die Lage im Südirak besorgt, wo 3.000 italienische Soldaten stationiert sind.

Kerbala

Heftige Gefechte lieferten sich die Besatzungsstreitkräfte und Anhänger des radikalen Schiitenführers Muktada al Sadr in der Nacht auch in der zentralirakischen Stadt Kerbala. Dabei kamen nach Angaben von Ärzten mindestens fünf Kämpfer der Sadr-Miliz "Mahdi-Armee" ums Leben. Weitere 32 Kämpfer seien verletzt worden. Zudem wurde ein US-Soldat bei einem Schusswechsel im Süden von Bagdad getötet, wie die US-Armee mitteilte. Zwei weitere US-Soldaten seien bei dem Gefecht am Sonntag verletzt worden.

Schock in Italien

Der Tod des italienischen Soldaten Marco Vanzan, der in der Nacht auf Montag in Nassiriya schweren Verletzungen erlegen ist, wirft in Rom die Frage nach der Zukunft der italienischen Militärmission im Irak auf. Der Vater des verstorbenen Soldaten, Marco Vanzan, forderte den sofortigen Abzug der italienischen Soldaten aus Nassiriya. "Dies ist keine Friedensmission mehr. Unsere Soldaten waren in den Irak entsandt worden, um sich an einer humanitären Operation zu beteiligen. Jetzt sind sie in einen Krieg verwickelt", sagte der Vater des Opfers.

"Die Aufständischen schießen auf uns, und unsere Soldaten vermeiden es, auf das Feuer zu reagieren, um nicht Zivilisten zu töten. Wir sind hier aus humanitären Gründen, riskieren jedoch täglich unser Leben, wie es mit dem jungen Soldaten geschehen ist", sagte der Kommandant der italienischen Truppen in Nassiriya, Giampaolo Di Paola, nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera".

Beileid

Verteidigungsminister Antonio Martino sprach den Familienangehörigen des in Nassiriya gestorbenen Soldaten sein tiefes Beileid aus. Der Minister stand ebenso wie Regierungschef Silvio Berlusconi die ganze Nacht über mit den italienischen Militärbehörden in Nassiriya in Verbindung, um die Entwicklung der Lage in der südirakischen Stadt zu verfolgen.

Der Tod des italienischen Soldaten erzeugt politische Spannungen in Rom, wo die Opposition mit Nachdruck den sofortigen Abzug der rund 3.000 im Südirak stationierten Soldaten fordert. Die Irak-Frage wird kommenden Donnerstag das römische Parlament intensiv beschäftigen. Nach dem Folter-Skandal im Irak und dem Tod des italienischen Soldaten will die oppositionelle Mitte-Links-Allianz dem Parlament einen Antrag zum sofortigen Abzug der Italiener aus dem Irak vorlegen.

Opposition drängt auf Truppenabzug

Die Parteichefs der Opposition drängten auf den sofortigen Rücktritt des US-Verteidigungsministers Ronald Rumsfeld. "Angesichts der gravierenden Verbrechen gegen die Menschheit müssen vorbildliche Strafen ergriffen werden", hieß es in dem Antrag. "Der Rückzug unserer Soldaten aus dem Irak wäre ein mutiger und zukunftsorientierter Beschluss. Wir fordern das Ende einer Mission, die nichts Humanitäres an sich hat, sondern die einfach eine Besatzung ist", sagte der Sprecher der italienischen Kommunisten, Armando Cossutta. (APA/AFP)