Wien - Am Lehrstellen-Markt ist in den nächsten Jahren noch nicht mit einer Entspannung zu rechnen. Darauf haben Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), Vizekanzler Hubert Gorbach (F) und der Regierungsbeauftragte für Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung, Egon Blum, am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz hingewiesen.

Um der Probleme Herr zu werden, werden nun "Lehrstellenakquisiteure" eingerichtet, kündigte Blum an. Das Auffangnetz für Jugendliche soll ausgebaut, neue Lehrberufe sollen geschaffen werden.

100 Tage-Bericht

Blum wurde im November 2003 als Regierungsbeauftragter eingesetzt. Nun hat er einen ersten "100 Tage-Bericht" vorgelegt. Die Maßnahmen, die die Regierung im letzten Jahr gesetzt habe, hätten sich durchaus "bewährt", zeichnete Schüssel ein positives Bild.

Mit der Lehrlingsprämie (1.000 Euro pro Lehrling und Jahr) seien insgesamt 120.000 Lehrplätze gefördert worden. Mit dem eingerichteten Auffangnetz seien 6.300 Lehrgangsplätze geschaffen worden und über das AMS-Sonderprogramm "Jobs for Youth" habe man weitere 8.000 Plätze gefördert. Ergebnis sei, dass Österreich EU-weit die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit habe.

Dennoch werde sich die Lage am Lehrlingsmarkt in den nächsten Jahren nicht entspannen, meinten Schüssel und Blum unisono. Bis 2008 werde die Zahl der 15-Jährigen ansteigen, 5.000 zusätzliche Ausbildungsplätze würden daher benötigt. Erst ab 2012 sei mit einem Rückgang bei der Zahl der Jugendlichen zu rechnen.

15 Lehrstellenberater

Daher gelte es nun, verstärkt Aktivitäten zu setzen, meinte Blum. In den Bundesländern werden künftig 15 Lehrstellenberater und -akquisiteure unterwegs sein. Die Finanzierung (eine Million Euro) sei von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) bereits zugesagt.

Diese Akquisiteure sollen versuchen, Unternehmen für die Beschäftigung von Lehrlingen zu gewinnen, ihnen bei bürokratischen Dingen eine Hilfe sein und bei Schwierigkeiten mit dem Lehrling eine Überführung in das Auffangnetz ermöglichen.

Lehrberufen in neuen Berufssparten

Das werde aber nicht reichen, um jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz vermitteln zu können, meinte Blum. Daher arbeite man auch an Lehrberufen in neuen Berufssparten.

Blum nannte die Bereiche Holz, Metall, Natur-Umwelt sowie den Sozialbereich, wo es beispielsweise in der Alten- und Behindertenbetreuung Bedarf gebe. Im Herbst wolle man erste Plätze anbieten, sagte Blum. Weiters werde man das Auffangnetz noch "verfeinern" und die Kapazitäten bedarfsgerecht ausbauen.

Gorbach zeigte sich mit der Lehrlingsausbildung grundsätzlich zufrieden. Österreich nehme hier eine internationale Vorreiterrolle ein. Trotz einer "hoffnungsvollen Entwicklung" seien aber laufend Verbesserungen nötig. (APA)