Marcel.li Antúnez Roca (ars electronica 2003)

Foto: ars electronica
Wien/Linz - Zum 25. Jahrestag seiner Gründung präsentiert sich das Linzer Computerkunst-Festival Ars Electronica ab dieser Woche erstmals in den USA. Eine Reihe von Ausstellungen, Vorführungen, Diskussionen und die Verleihung der Goldenen Nicas in der neuen Prix Ars Electronica- Kategorie "Digital Communities" zeigen in New York die "vielfältigen Entwicklungen" im ersten Vierteljahrhundert des renommierten Festivals, schilderte dessen Leiter Gerfried Stocker am Montag in Wien.

Retrospektive

In zwei Blöcken bespielt die Ars Electronica New York. Ab dem 20. Mai gibt es an zwei Ausstellungsorten, dem von Johnson&Johnson-Erben John Johnson gegründeten eyebeam in Chelsea und dem American Museum of the Moving Image, bis zum 18. Juli einen Rückblick auf 25 Jahre digitale Medienkunst. Im eyebeam werden ausgewählte Preisträger der Kategorie Interaktive Kunst des Prix Ars Electronica zum ersten Mal gemeinsam gezeigt, alle Werke bis auf eines sind auch erstmals in New York zu sehen. Die Schau mit "Meilensteinen der Entwicklung der interaktiven Kunst" ist also "eine Novität, obwohl wir eine retrospektive Ausstellung machen", so Stocker.

Ars Electronica Futurelab

Im Museum des bewegten Bildes widmet sich die Schau "Interactions/Art and Technology" den Interface-Neukonzeptionen, die im oder gemeinsam mit dem Ars Electronica Futurelab entstanden sind. Gemeinsam organisieren die beiden Ausstellungsorte Screenings, in denen die Geschichte der Computer-Animation zugänglich gemacht wird, darunter "junge Werke oder Jugendsünden" (Stocker) von mittlerweile so bekannten Animationskünstlern wie John Lasseter, der bei den Trickfilm-Heroen Pixar für Filmhits wie "Toy Story" oder zuletzt "Findet Nemo" verantwortlich zeichnet. Im Österreichischen Kulturforum New York findet zum Thema "Digital Avant- Garde" ein zweitägiges Symposium (21. und 22. Mai) mit Künstlern und Theoretikern statt.

Gewinner in der neuen Kategorie "Digital Communities"

Am 23. Juni werden dann im Rahmen des Global Compact Summit der UNO die ersten Gewinner der neuen Nica-Kategorie "Digital Communities" ausgezeichnet. Gewürdigt werden Projekte, die beispielhaft die Entwicklung einer offenen Informationsgesellschaft vorantreiben. Die Träger der zwei Goldenen Nicas der Kategorie sind die offene Online- Enzyklopädie "Wikipedia" und "The World Starts With Me", ein Projekt in Uganda, das der sexuellen Aufklärung und AIDS-Prävention gewidmet ist. Schon im ersten Jahr des Bestehens gab es 410 Einreichungen für die neue Nica-Kategorie. Eine Ausstellung in der Lobby des UN-Hauptquartiers zeigt (ebenfalls bis 18. Juli) die Preisträger. Am 24. Juni werden sich die Gewinner für eine Diskussion über Internet mit dem Wiener Radiokulturhaus kurzschließen und ihre Konzepte präsentieren.

Ars electronica half bei der Findung einer Identität der einst "schmutzigsten Stadt Österreichs"

"Vor 25 Jahren war Linz die schmutzigste Stadt Österreichs", resümierte Stocker. Die Ars Electronica hatte "eine wichtige Stellung in der Findung einer neuen Identität" für die Stahlstadt. Für die bisher immer an fehlenden Kooperationspartnern mit dem nötigen technischen Know how sowie am Geld gescheiterte Präsentation außerhalb von Linz würden keine öffentlichen Gelder verwendet; diese sei durch den neuen Sponsor, den deutschen Softwarekonzern SAP, ermöglicht, so Stocker, der die Pressekonferenz nach einem technischen Fingerzeig beendete: Die Batterie seines Laptops war leer. (APA)