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Foto: Reuters/HERWIG PRAMMER
Wien - Mit dem EU-Beitritt der Nachbarländer im Norden und Osten sei die Attraktivität Österreichs als Wirtschaftsstandort zweifellos gestiegen. "Das Problem unserer Industrie war immer, dass der österreichische Markt so klein ist.

Jetzt sieht es mit einem Schlag völlig anders aus", sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer am Montag bei einer Veranstaltung der Industriellenvereinigung über die Attraktivität Österreichs als Wirtschaftsstandort.

"Wichtiges Signal für die Investoren"

Positiv zu vermerken sei auch die Senkung des Körperschaftssteuersatzes und die Neuregelung der Gruppenbesteuerung, was Österreich sowohl als Produktionsstandort wie auch als Sitz von Holdinggesellschaften wieder interessant mache. Ruttenstorfer: "Das ist ein wichtiges Signal für die Investoren."

Priorität müsse nun der Ausbau von Straße und Schiene in die neuen EU-Heimmärkte haben. Denn ohne passende Infrastruktur sei es unmöglich, die Märkte in Zentral- und Osteuropa von Österreich aus zu steuern.

Trotz verbesserter Bedingungen sei es eine Illusion zu glauben, damit lohnintensive Produktionen im Land halten zu können, sagte Ruttenstorfer. Vor allem industrienahe Servicedienstleistungen wie Instandhaltung oder Buchhaltung seien Outsourcing-Kandidaten.

Die OMV beispielsweise, die diese Bereiche in der OMV Solutions gebündelt hat, prüft derzeit eine Verlagerung der Tochterfirma nach Bratislava oder Bukarest.

Ruttenstorfer, der auch Mitglied des European Round Table of Industrialists (ERT) ist, ein Forum führender Industrierepräsentanten Europas, wies auch auf die entscheidende Bedeutung von Forschung und Entwicklung hin. "Nur mit neuen Technologien und neuen Produkten lässt sich der Wohlstand in den entwickelten Ländern sichern."

"Schlüsseljahr"

ERT-Generalsekretär Wim Philippa verwies auf das beim EU-Gipfel 2000 in Lissabon formulierte Ziel, die Union bis zum Jahr 2010 zum dynamischsten, wissensbasierten Raum der Welt zu machen.

"Wir können das schaffen, wenn wir endlich Ernst machen und passende Maßnahmen setzen", sagte Philippa. Heuer sei ein "Schlüsseljahr" dafür: "Die neuen EU-Mitgliedsstaaten im Osten und Süden wachsen überproportional und können auf Kerneuropa ausstrahlen."

Und bei der Neukonstituierung der EU-Kommission sollte auf einen eigenen Kommissar gedrängt werden, der sich speziell aller Fragen des Wettbewerbs annimmt. (DER STANDARD Printausgabe, 18.05.2004 stro)