Wien - Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) will die die im westeuropäischen Vergleich geringe Selbstständigenquote kräftig aufpäppeln. "Unser Ziel muss es sein, in fünf Jahren den europäischen Durchschnitt zu erreichen", sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl am Dienstag vor Journalisten. Um den dazu nötigen Anstieg des Anteils selbstständig Erwerbstätiger (ohne Landwirtschaft) von derzeit 8 Prozent auf das Mittel der EU-15 von 12,3 Prozent zu unterstützen, will Leitl bis Herbst eine Erweiterung des Neugründungs-Förderungsgesetzes (NeuFöG) auf Schiene bringen.

"Drei vernünftige Dinge"

Drei Punkte soll die NeuFöG-Novelle beinhalten: Einen betrieblichen Freibetrag für Neugründer, was Kapitalgebern von stillen Beteiligungen eine steuerliche Abschreibung als Sonderausgabe auf zehn Jahre ermöglichen soll. Weiters die Streichung der Mindest-Körperschaftssteuer (KöSt) für Gründer, und schließlich die Abschaffung der Besteuerung stiller Reserven bei Betriebsübergaben.

"Das sind drei vernünftige Dinge, die nicht viel kosten, aber einiges bewegen können", so Leitl. Ungeachtet der globalen Rahmenbedingungen soll so ein "optimistisches und gründungsfreundliches Klima" in Österreich geschaffen werden, um das Vorjahresniveau von 30.000 Gründungen zumindest zu halten.

"Rechtsbehinderung"

Neben der Mindest-KöSt ist auch die Gebührensituation für Gründer dem Notariatskammer-Präsidenten Klaus Woschnak ein Dorn im Auge: Er fordert die Abschaffung der 0,8-prozentigen Kredit- und der einprozentigen Vergleichsgebühr. Die Kreditgebühr schmerze speziell Gründer mit wenig Eigenkapital, während Woschnak eine Abgabe auf außergerichtliche Streitschlichtungen als "Rechtsbehinderung" empfindet.

Heute, Dienstag, startet die Pilotphase der "Gründer-Aktion der Notariats- und Wirtschaftskammer", in deren Rahmen Neugründer zusätzlich zur ersten kostenlosen Rechtsauskunft ein zweites unentgeltliches Beratungsgespräch erhalten. Darüber hinaus werden für die Errichtung des Gesellschaftsvertrags und die Firmenbucheintragung nur der halbe Tarif verrechnet. Die Pilotphase läuft bis Ende 2004, wobei Woschnak jedoch eine Verlängerung der Aktion anstrebt. (APA)