Obwohl die israelische Offensive im Gazastreifen allem Anschein nach ungebremst weiter geht, ist nicht ganz klar, ob der von mehreren US-Offiziellen ausgedrückte Unmut nicht doch Eindruck auf die Regierung von Ariel Sharon gemacht hat. Jedenfalls versuchte die israelische Armeeführung am Dienstag eher den Eindruck zu zerstreuen, dass die Häuserdemolierungen in Rafah nicht von Fall zu Fall entschieden, sondern in einem größeren strategischen Plan pauschal betrieben werden, der darin besteht, den so genannten Philadelphi-Korridor im Süden des Gaza-Streifens zu erweitern.

Die israelische Intention ist klar, so sollte man die Operation auch nicht als Reaktion auf die auch für die israelische Armee blutige vergangene Woche, sondern im größeren Rahmen sehen. Wenn alles nach dem Sharon-Plan geht (dessen Modifikationen nach dem Likud-Referendumsflop noch nicht im Detail bekannt sind), wird nächstes Jahr um diese Zeit der Gaza-Streifen geräumt sein. Die Vorbereitungen dafür folgen, so wie es im heutigen Israel eben ist, rein militärischer Logik. Da sind Zivilisten nur im Weg, außerdem sind sie mit dem Totschlagargument, dass sich Terroristen der zivilen Infrastruktur bedienen, ohnehin quasi Komplizen.

Der internationale Aufschrei geht, wie immer, ins Leere. Mäßigend auf Israel einwirken können nur die USA, eine echte Nahostinitiative ist jedoch von dort vor den Wahlen keinesfalls zu erwarten. Dass Washington die Kommunikation mit der Palästinenserbehörde wieder aufgenommen hat, ist zur Zeit die einzige gute Nachricht: Es gilt, diese in die Lage zu versetzen, nach Israels Abzug der Hamas im Gaza-Streifen Paroli zu bieten. Dass Palästinenserchef Yassir Arafat die Reorganisation der Sicherheitsdienste blockiert, ist ein ernstes Problem - so ernst, dass ihn erstmals ein arabischer Führer, König Abdullah von Jordanien, durch die Blume zum Rücktritt aufgefordert hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.5.2004)