Wien - Die Hauptversammlung des österreichischen Energiekonzerns OMV hat am Dienstagabend grünes Licht für die Ausgliederung ihrer wichtigsten Geschäftsbereiche in eigenständige Tochterunternehmen sowie für Vorbereitungen für die Zuführung von frischem Kapital gegeben. Die Aktionäre billigten auch den Dividendenvorschlag des Vorstandes, die Ausschüttung für das Jahr 2003 erhöht sich damit auf 4 (3,50) Euro.

Ausgliederungen

Im Rahmen der bereits seit einem Jahr bekannten Umstrukturierung des Unternehmens werden die Bereiche "Refining & Marketing", österreichische Exploration und Produktion sowie "Exploration und Produktion International" neu in selbstständige Gesellschaften abgespalten. OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer begründete den Plan vor den Aktionären damit, dass das bisher verfolgte "Stammhauskonzept" nicht mehr dem internationalen Managementstandard vergleichbarer Energiekonzerne entspreche. Eigenständige Töchter unter einer Managementholding könnten viel flexibler agieren.

Gebilligt wurden von den Aktionären auch die Vorbereitungen auf zwei unterschiedliche Kapitalschritte, die der OMV helfen sollen, ihre Wachstumsziele zu erreichen. Zum einen handelt es sich dabei um die Ermächtigung, bis 2009 Wandelschuldverschreibungen im Umfang von bis zu 600 Mio. Euro auszugeben. Damit in Zusammenhang steht die ebenfalls erteilte Ermächtigung, das Grundkapital durch die Ausgabe von bis 3 Mio. neuer Aktien bedingt zu erhöhen. Die neuen Aktien würden in diesem Fall dazu dienen, die zuvor begebenen Unternehmensanleihen in Aktien umzuwandeln.

Erweiterung des Kapitalrahmens

Sozusagen alternativ dazu gaben die Aktionäre ihr Placet auch zu einer Erweiterung des Kapitalrahmens um bis zu 58,16 Mio. Euro durch Ausgabe von bis zu 8 Mio. neuer Aktien. Diese Ermächtigung war bereits vorhanden und wurde durch den neuen Beschluss zeitlich lediglich von bisher Mitte 2006 auf Mitte 2009 ausgedehnt. Zusammen dürfen durch beide Maßnahmen nicht mehr als 8 Mio, neue Aktien ausgegeben werden. Branchenbeobachter rechnen damit, dass die OMV einen der beiden Kapitalschritte dazu nutzt, um einen eventuellen Erwerb der rumänischen Ölgesellschaft Petrom, die gerade mehrheitlich privatisiert wird, zu finanzieren. Es gebe seitens der OMV zum derzeitigen Zeitpunkt keine Präferenz, welche der beiden Maßnahmen sie für eine solche Finanzierung einsetzen werde, sagte Finanzvorstand David Davies. Im Übrigen gebe es "noch viel zu tun bis ein solcher Deal überhaupt zustandekommen kann."

Beschlossen wurde die vom Vorstand vorgeschlagene Dividende von vier Euro pro Stammaktie. Ulrike Lunacek, außenpolitische Sprecherin der Grünen hatte als Kleinaktionärin den Vorschlag gemacht, nur 3,60 Euro pro Aktie auszuschütten und den Restbetrag - rund 10 Mio. Euro - für die Wiederansiedlung von Bürgerkriegs-Flüchtlingen im Sudan zu verwenden. Die OMV war bis vergangenes Jahr im Sudan in der Exploration tätig gewesen, hatte 2003 dieses heftig kritisierte Engagement aber um mehr als 115 Mio. Euro an indische Investoren verkauft. Lunaceks Antrag wurde mit mehr als 99,9 Prozent der Stimmen abgelehnt.

Stepic neu im Aufsichtsrat

Neu in den OMV-Aufsichsrat eingezogen ist am Dienstag der stellvertretende Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Herbert Stepic. Stepic folgt dem früheren Bank Austria-Generaldirektor und heutigen Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer, Renee Alfons Haiden, nach.

Weiter hoher Ölpreis erwartet

Ruttenstorfer rechnet nicht mit einem baldigen deutlichen Sinken der Rekordpreise für Rohöl. "Von Angebot und Nachfrage her ist durchaus auch in nächster Zeit mit einem starken Ölpreis zu rechnen", sagte er. "Der Ölpreis dürfte auch den Rest des Jahres an der Obergrenze des OPEC-Preisbandes von 22 bis 28 Euro (pro Fass, Anm.) liegen, aus heutiger Sicht sogar etwas darüber, bei 30 Dollar", sagte der Manager unter Berufung auf internationale Expertenmeinungen. Eine Prognose sei allerdings "nicht ganz leicht".

"Fundamental" verantwortlich für die heutige Situation sei die starke Nachfrage auf den Weltmärkten, insbesondere aus China, Indien und den USA. Dazu kämen psychologische Faktoren wie etwa Befürchtungen um die Lage im Irak sowie um die politische Stabilität in anderen Ölfördergebieten. (APA)