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Nachdem die USA dem Irakischen Nationalkongress die Gelder entzogen haben, schlägt Ahmed Chalabi härtere Töne an.

Foto: Reuters/Their Al-Sudani
London - Der Chef des pro-westlichen "Irakischen Nationalkongresses" (INC), Ahmed Chalabi, Mitglied des von den USA eingesetzten provisorischen Regierungsrates, hat die "totale Kontrolle" über das irakische Erdöl gefordert. Nach dem für den 30. Juni geplanten Machttransfer müsse die künftige irakische Regierung auch "vollständig souverän" über sämtliche Ernennungen auf allen Verwaltungsebenen entscheiden können, forderte Chalabi am Mittwoch in einem BBC-Interview.

Chalabi übte Kritik an den amerikanischen und britischen Besatzungskräften, die er für die katastrophale Sicherheitslage im Land verantwortlich machte. Auch sei es ihnen nicht gelungen, die Strukturen des Terrornetzwerks Al Kaida zu zerschlagen, sagte Chalabi.

USA streicht Chalabi die Mittel

Der INC soll von Juli an kein Geld mehr von den USA erhalten. Washington reagiere damit auch auf Fehlinformationen, die Chalabi der US-Regierung und den US-Geheimdiensten geliefert habe, berichtete die "New York Times" (Dienstag-Ausgabe) unter Berufung auf einen Parteifunktionär. Chalabis Partei habe bisher monatlich 335.000 Dollar (etwa 280.000 Euro) erhalten. Dafür sei auch der US-Militärgeheimdienst DIA mit Informationen aus dem Irak versorgt worden. In den vergangenen vier Jahren soll der INC insgesamt 27 Millionen Dollar von Washington erhalten haben, schreibt die Zeitung.

Falschinformationen

Chalabi hatte laut dem Pressebericht den US-Geheimdiensten vor dem Krieg teilweise falsch und irreführend über den Irak unter Saddam Hussein berichtet. Der einflussreiche demokratische Senator Joseph Biden hatte laut "New York Times" Chalabi als "Darling des Vizepräsidenten (Dick Cheney) und einiger Zivilisten im Verteidigungsministerium" beschrieben. Chalabi sei nicht "Teil der Lösung" im Irak, sondern selbst ein "Problem".

Jordanische Medien hatten den Chef des "Irakischen Nationalkongresses" unter anderem beschuldigt, Urheber des verheerenden Bombenanschlags auf die jordanische Botschaft in Bagdad gewesen zu sein. Chalabi war von einem jordanischen Gericht 1992 in Abwesenheit wegen Betrugs zu 22 Jahren Haft. (APA)