Tokio - Der japanische Nutzfahrzeughersteller Mitsubishi Fuso muss welweit fast zweihunderttausend Lkw zurückrufen. Grund dafür ist ein Fehler am Kupplungsgehäuse eines Lastwagens, der 2002 einen tödlichen Unfall ausgelöst haben soll. Nachdem erst im März 112.000 Lkw wegen einer defekten Radnabe repariert werden mussten, werden jetzt 190.000 zwischen 1983 und 1996 produzierte Schwerlastwagen wegen eines fehlerhaften Kupplungsgehäuses in die Werkstätten zurück. Mitsubishi Fuso gehört mehrheitlich dem deutsch-amerikanischen Konzern DaimlerChrysler.

Der nunmehrige Mitsubishi-Fuso-Chef Wilfried Port warf am Donnerstag in Tokio bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz dem früheren Management vor, die Probleme jahrelang vertuscht zu haben. "Das große Problem am Kupplungsgehäuse wurde ignoriert. Wir hätten eigentlich bereits im Jahr 1996 die Lkws zurückrufen müssen".

"Tödlicher Fehler"

Dass dies nicht geschehen sei, sei Ausdruck einer "Firmenkultur der Vertuschung" gewesen. Dies sei eindeutig rechtswidrig gewesen, so Port weiter. Er sei "persönlich tief verärgert über die Tatsache, dass ein heikler Punkt wie der Fehler am Kupplungsgehäuse bis heute nicht angegangen worden ist und die Firma ihrer Verantwortung damit nicht nachgekommen ist".

Insgesamt habe es 50 Meldungen über defekte Kupplungsgehäuse gegeben. Dabei sei es zu zahlreichen Unfällen gekommen - einer davon mit tödlichen Folgen, so der Mitsubishi-Fuso-Chef, der damit Medienberichte bestätigte.

Unklarheit über betroffene Wagen in Österreich

Ob auch Fahrzeuge in Österreich von der Rückrufaktion betroffen sind, ist vorerst unklar. Die heimische Vertriebstochter war am heutigen Feiertag nicht erreichbar.

Die japanische Zeitung "Nihon Keizai Shimbun" hatte in einem Bericht unter Berufung auf informierte Kreise geschrieben, dass der Defekt Ursache für einen Unfall im Oktober 2002 mit einem Toten war. Zuvor hatte das Unternehmen jahrelang Wartungsfehler für zahlreiche Unfälle verantwortlich gemacht, zu denen es wegen des Fehlers seit 1992 gekommen war. Neben Kosten von 50 Mio. Euro könnte auf die Tochterfirma von DaimlerChrysler deshalb auch ein Prozess zukommen. In Zusammenhang mit der verspäteten Rückrufaktion im März hatte die Polizei bereits Anfang Mai mehrere frühere Führungskräfte des Automobilkonzerns Mitsubishi Motors festgenommen.

Die Aktie von DaimlerChrysler war bis zum Mittag mit einem Abschlag von 2,6 Prozent auf rund 34,60 Euro der größte Verlierer im DAX.

Der Nutzfahrzeughersteller, an dem DaimlerChrysler 65 Prozent und Mitsubishi Motors 20 Prozent halten, hatte im März 112.000 Lkws wegen einer defekten Radnabe in die Werkstätten zurückgerufen. Auch hier hatte es einen Todesfall gegeben. Eine 29-jährige Frau war im Januar 2002 von einem davon fliegenden Reifen erschlagen worden. Anfang Mai durchsuchte die Staatsanwaltschaft deshalb die Räume von Mitsubishi Fuso und nahm sieben Manager von Mitsubishi Motors fest.

Grioßer Schden für Marke Mitsubishi

Der angeschlagene japanische Autohersteller Mitsubishi Motors, an dem DaimlerChrysler ebenfalls rund 37 Prozent hält, hatte im Jänner 2003 die Nutzfahrzeugsparte abgetrennt. Die Rückrufaktion könnte auch dem Image der Marke Mitsubishi weiteren Schaden zufügen, nachdem der Autohersteller im Jahr 2000 bereits im Zentrum eines ähnlichen Skandals gestanden hatte. Erst durch einen Hinweis aus dem eigenen Hause wurde klar, dass Mitsubishi rund zwei Jahrzehnte lang sicherheitsrelevante Fehler stillschweigend hatte reparieren lassen, statt den gesetzlich vorgeschriebenen Rückruf einzuleiten.

Der mit hohen Schulden und Verlusten kämpfende viertgrößte japanische Autokonzern Mitsubishi Motors steht selbst unter Druck, nachdem sein Großaktionär DaimlerChrysler Ende April seine finanzielle Unterstützung aufgekündigt hat. Fuso, das nicht an der Börse gelistet ist, gehört seit März zu 65 Prozent DaimlerChrysler. 20 Prozent liegen bei der angeschlagenen Mitsubishi Motors. Der Lkw- und Bushersteller Fuso war Anfang 2003 von Mitsubishi Motors abgespalten worden. Damals hatte DaimlerChrysler 43 Prozent übernommen. (APA/dpa/Reuters)