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Foto: Reuters/Bianchi
Rom - Die Regierung Berlusconi will die vom Konkurs bedrohte italienische Fluggesellschaft Alitalia mit einer Kapitalerhöhung retten, an der sich auch der Staat beteiligen wird. Um die Insolvenz abzuwenden, will Rom außerdem für einen Überbrückungskredit garantieren, an dem auch private Investoren mitwirken sollen. "Die Beteiligung von Privatunternehmen an der Rettungsaktion ist eine notwendige Bedingung, damit die EU-Wettbewerbsbehörde den Plan genehmigt", hieß es am Freitag aus Alitalia-Kreisen.

Fintecna kommt Schlüsselrolle zu

Eine entscheidende Rolle an der Sanierung der zu 62 Prozent in staatlichem Besitz stehenden Airline soll die staatliche Holding Fintecna spielen. Zusammen mit Privatunternehmen soll Fintecna Teile der Alitalia erwerben, die offenbar aufgespalten werden soll, hieß es aus Kreisen der Airline. Alitalia soll als reine Fluggesellschaft weiterfliegen, die dann auch Fusionen eingehen könnte. Andere Gesellschaften sollen Aktivitäten am Boden sowie die Wartung der Maschinen übernehmen.

Drei Monate Zeit für Plan bis 2008

Die Fluggesellschaft habe maximal drei Monate Zeit, um einen Entwicklungsplan bis 2008 zu verfassen, der der Airline einen Neubeginn garantieren könnte. Der Plan soll auch genaue Angaben über die Zahl der Stellen enthalten, die gekürzt werden sollen. Das Thema Stellenabbau will die Regierung Berlusconi jedoch erst nach den EU-Wahlen im Juni in Angriff nehmen, berichteten italienische Medien am Freitag. Indiskretionen zufolge könnte der Plan die Streichung von bis zu 4.000 Arbeitsplätzen vorsehen.

Ein Bankenpool soll der konkursbedrohten Airline eine Finanzspritze von mindestens 400 Mio. Euro gewähren, ist in Alitalia-Kreisen zu hören. "Der Überbrückungskredit, gegen den die EU hoffentlich keine Einwände erheben wird, ist ein Eckpfeiler für Alitalias Neubeginn. Wichtig ist, dass Brüssel ihn genehmigt", meinte Verkehrsminister Pietro Lunardi. "Wir können Alitalia helfen, eine tiefe Liquiditätskrise zu überwinden, wir können jedoch keine Kapitalaufstockung in die Wege leiten", schränkte Europaminister Rocco Buttiglione ein.

Fusionsgespräche mit Air France

Der Aufsichtsrat unter der Leitung des neuen Alitalia-Geschäftsführers Giancarlo Cimoli feilt an einer Strategie, um die Produktivität der Airline zu steigern, die seit 1998 keine schwarze Zahlen mehr schreibt. Im Rat saß am Donnerstag erstmals auch der Chef von Air France, Jean-Cyril Spinetta, der nach der Sanierung der Fluglinie Fusionsgespräche mit Alitalia in die Wege leiten wird. Alitalia habe nur im Rahmen eines soliden Netzes von Luftfahrtallianzen eine Zukunft, meinte er.

Im vergangenen Jahr machte Alitalia den Angaben von Donnerstag zufolge einen Verlust von 519,7 Mio. Euro. 2002 stand unter dem Strich noch ein Plus von gut 93 Mio. Euro, was allerdings in erster Linie durch eine Schadenersatzzahlung der niederländischen Fluggesellschaft KLM nach geplatzten Fusionsverhandlungen mit Alitalia zu Stande kam. Der Umsatz brach im Vergleich zu 2002 um neun Prozent auf 4,32 Mrd. Euro ein. An der Mailänder Börse legte die Alitalia-Aktie nach der Übereinkunft am Vormittag deutlich zu. (APA)