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Löscharbeiten am Art der Tragödie

Foto: APA-FOTO/rubra-flash pictures
Linz - Weiterhin nicht völlig geklärt war am Samstag das Motiv, das einen 61-jährigen Oberösterreicher am Freitag dazu getrieben hat, seine Frau und seine Tochter zu erschießen und anschließend Selbstmord zu begehen. Auch ein Abschiedsbrief des Mannes an einen Freund gab keinen Hinweis darauf. Zwar gehen die Ermittler von Schulden als Auslöser der Verzweiflungstat aus, der Anwalt des Mannes, Josef Kehrer, äußerte am Samstag aber Zweifel an dieser Erklärung. Die Schuldentilgung sei geregelt gewesen, sagt er.

Anwalt: Klient habe nie Anzeichen für bevorstehende Panikreaktion gezeigt

Unverständlich ist Kehrer die Verzweiflungstat seines Klienten. Dieser habe die Situation zwar erst genommen, habe aber nie Anzeichen für eine bevorstehende Panikreaktion gezeigt. Bei einem Gespräch am Dienstag habe er sich "zuversichtlich und kampfbereit" gezeigt. Die Schulden des Mannes in der Höhe einer knappen Mio. Euro wären "zu bedienen gewesen", der Wirt habe in den letzten Jahren bereits einen ähnlich hohen Betrag an Schulden abgebaut.

Laut Kriminalisten hat der Mann einen Abschiedsbrief hinterlassen, der an einen Freund adressiert war. Darin sprach er von Selbstmord - Motiv nannte er aber keines.

Die Tat

Der 61-jährige Wirt eines bekannten Ausflugsgasthauses in Nettingsdorf in der Gemeinde Ansfelden (Bezirk Linz-Land) hatte Freitag Früh seine Frau und seine 19-jährige Tochter mit einem Jagdgewehr in der Gaststube erschossen. Anschließend schleifte er die Leichen in den Wohnbereich, verteilte Stroh im Haus, zündete es an und steckte damit das Gebäude in Brand. Dann richtete er die Waffe gegen sich selbst. Auf Grund des diese Woche eröffneten Konkurses über die Gaststättenbetriebsgesellschaft galten finanzielle Probleme als wahrscheinlichster Auslöser für die Tat. Für Freitagmittag hatte sich der Schätzmeister angekündigt, um das noch vorhandene Vermögen zu dokumentieren.

Augenzeugenberichte

Noch um neun Uhr schien alles normal: Der Koch der beliebten Jausenstation war auf einen Kaffee vorbeigekommen, das Gespräch drehte sich auch um die schwierige finanzielle Lage. Es gab aber keine Anzeichen von Spannungen innerhalb der Familie, berichtet der Zeuge.

Nur eine halbe Stunde später eskalierte die Situation. Der nicht weit entfernt wohnende Schwager der Familie bemerkte einen Brand in der Scheune des Vierkanthofes und alarmierte die Feuerwehr. Bei den Löscharbeiten machten die Einsatzkräfte dann den entsetzlichen Fund: Im Wohnzimmer lagen die drei Toten mit Schusswunden eng nebeneinander.

"Wir gehen davon aus, dass die Frau und die Tochter nicht am Auffindungsort getötet worden sind", berichtet Lißl. Aus Sicht der Ermittler dürften die beiden Frauen versucht haben, in ein Nebengebäude zu flüchten und wurden von dem 61-jährigen Wirt mit einer Schrottflinte von hinten erschossen. Dann schleppte er die beiden Leichen zurück ins Wohnzimmer und verteilte im ganzen Gebäude Heuballen, die er anzündete. Schließlich legte er sich zwischen seine Frau, die an diesem Tag ihren 58. Geburtstag begangen hätte, und die 19 Jahre alte Tochter und schoss sich mit der Schrotflinte in den Mund. Zwei ältere Töchter überlebten, sie wohnen nicht mehr daheim.

Den Feuerwehrmännern, die die Toten fanden, war klar, dass sie es mit einem Verbrechen zu tun hatten - es schien aber möglich, dass sich ein unbekannter Schütze noch im Anwesen verborgen hielt. Die Löscharbeiten gingen deshalb unter dem Schutz von Cobra-Beamten voran.(APA/ Markus Rohrhofer/DER STANDARD)