Linz - Ein Schlag gegen einen international agierenden Mädchenhändler-Ring ist jetzt der oberösterreichischen Exekutive gemeinsam mit ErmittlerInnen des Bundeskriminalamtes gelungen. 150 Frauen sollen zur Prostitution nach Österreich gebracht worden sein.

Im Jahr 2000 war FahnderInnen eine russische Begleitagentur mit dem Namen "The Belarus Girls" aufgefallen. Vergangenen Montag wurden nach einer Hausdurchsuchung ein Linzer Bordellbesitzer, seine Frau und eine Weißrussin festgenommen.

Dem Trio wird vorgeworfen über Mittelsmänner in Weißrussland insgesamt 150 junge Frauen im Alter zwischen 21 und 25 Jahren unter dem Vorwand, Kellnerinnenarbeit zu vermitteln, mit gefälschten Papieren über Berlin nach Österreich gelockt zu haben. Endstation war für alle Mädchen ein Nobelbordell am Stadtrand von Linz.

"Die Frauen mussten unter schlimmsten Bedingungen leben. Psychische Gewalt und Drohungen standen an der Tagesordnung", so Oberösterreichs Sicherheitschef Alois Lißl. Den jungen Frauen wurde ein Großteil ihres Verdienstes abgenommen, sie mussten aber gleichzeitig überhöhte Mietzinse für Wohnungen in Linz zahlen. "Zudem sind die Frauen von der jetzt inhaftierten Weißrussin fast rund um die Uhr überwacht worden. Die Frau hat den Spitznamen Pit Bull bekommen", so Lißl.

Die Ermittlungen würden weiter "auf Hochtouren laufen, und weitere Verhaftungen sind sehr wahrscheinlich", so der Sicherheitschef. Derzeit werden die 150 Frauen in Oberösterreich psychologisch betreut. (mro, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 22./23.5.2004)