Klagenfurt - Jahrzehnte lang wurde der Naturschutz in Kärnten eher als offenbar lästiges Beiwerk gesehen. Immer wieder wurden daher Schutzgebiete scheibchenweise wirtschaftlicher Nutzung überantwortet. Bestenfalls galt das Motto vom so genannten Vertragsnaturschutz, der oftmals nur einen faulen Kompromiss zwischen widerstrebenden Interessen darstellte. Der neue Naturschutzreferent, Landeshauptmann Jörg Haider, hat nun den Kärntner Naturschutz zur Chefsache erklärt und einen radikalen Kurswechsel angekündigt.

Als eine der ersten Maßnahmen will Haider den Naturschutzbeirat zur Umweltanwaltschaft aufwerten. Und: Natursündern sollen verfolgt werden. So etwa im Fall Walterskirchen, jener streng geschützten Wörthersee-Halbinsel, die der der neue Besitzer Walter Tilly teilweise kahl schlagen ließ.

Strafverfahren eingeleitet

Haider hat nun deswegen ein Strafverfahren eingeleitet. Außerdem soll Tilly zur Wiederaufforstung verpflichtet werden: "Im Naturschutz darf es keine Privilegierten geben". Tilly darf zwar seinen Alterssitz auf Walterskirchen errichten, doch zuvor will Haider Teile der Halbinsel als Natura 2000-Gebiet verordnen.

Andere umstrittene Projekte - wie die Straßenumfahrung an den Moosburger Teichen oder den von der Hypo-Alpe-Adria-Bank geplanten Großbau eines Kongresszentrums am Klagenfurter Lendspitz - hat Haider gestoppt.

Keine Zustimmung

Dem Klagenfurter Bürgermeister, der trotz massiver Proteste von Naturschützern noch immer an dem Projekt festhalten will, richtet der Landeshauptmann aus: " Da wird es von uns nie eine Zustimmung geben, Wenn er sich nicht mit uns auf einen neuen Standort einigen kann, gibt es noch andere Wörthersee-Gemeinden, die gerne ein Kongresszentrum hätten".

Harte Kritik übte der neue Naturschutzreferent an seinem Vorgänger Georg Wurmitzer. Dieser habe immer wieder versucht per Weisung den Naturschutz auszubremsen. In Zukunft solle in Raumplanungsverfahren der Naturschutz automatisch integriert werden. (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.5.2004)